Beitrag 
Die neue Bewegung in Scheswig-Holstein.
Seite
194
Einzelbild herunterladen
 

1S4

der Stände solchen Anklang, daß sich der Unterschristenbogen binnen drei Tagen mit 668 Namen bedeckte. Im Dorfe Alveslohe. welches bisher nicht gerade zu den wärmsten gehörte, unterschrieben 63 Mann, in Beidenfleth, von wo früher auch nicht viel Erfreuliches zu berichten war, gab sich ebenfalls eine überraschend große Theilnahme kund, was um so werthvoller ist, als der dortige Kirchspielsvogt, zu den dänischgesinnten Beamten gehörig, der Agitation nach Kräften Hindernisse in den Weg zu legen bemüht war. Von andern ländlichen Gemeinden, die besondern Eifer zeigten, nenne ich nur Quarnstedt bei Kelling- husen und Nordhastedt, wo die betreffende Adresse von dem gcsammten Kirch- spielscollegium und 160 Bauern unterschrieben wurde.

In den Städten war die Betheiligung an der vaterländischen Sache selbst­verständlich weit lebhafter, vorzüglich in Kiel und Rendsburg. Auch Altona scheint den bequemen Schlafrock des passiven Widerstandes, in welchem man vorigen Herbst beiläufig nicht blos hier, sondern so ziemlich im ganzen Lande einzuschlafen im Begriff war. ausgezogen zu haben. Magistratscollegien und Gymnasium haben sich ausnahmslos der Declaration der Stände angeschlossen. Bon den Aemtern der Zünfte sind 27 der rendsburger Resolution vom 29. März, die, wie früher bemerkt, im Wesentlichen dasselbe sagt, wie die Declaration vom 5. April, beigetreten, und die 37 Sectionsführer des dortigen schleswig- hvlsteimschen Vereins, die von Haus zu Haus Unterschristen für das rends­burger Programm sammelten, haben dem Vernehmen nach fast allgemein bereit­willige Hände gefunden, so daß ein glänzendes Ergebniß zu erwarten stand.

Ferner macht die freiwillige Anleihe wie in den Städten so auf dem Lande noch immer gute Fortschritte, und man darf annehmen, daß Holstein allein jetzt schon mehr als noch einmal so viel gezeichnet hat, als das ganze übrige Deutschland.

Endlich ist auch die Versammlunggeschworncr" Beamten, welche am letzten Sonntage zu Neumünster stattfand, über Erwarten gut verlaufen. Mein letzter Brief zeigt,, daß ich mir von den Herren nicht viel versprach, und Andern wird es ebenso gegangen sein. Daß die Convocanten ihrer früheren Schwäche die neue hinzufügten, ihre Namen zu verschweigen, ließ kaum hoffen, daß sich viele der Eingeladenen einstellen würden. Gleichwohl erschienen am gedachten Tage im Bahnhofshotel zu Neumünster über 60 der Herren, meist Post- und Zollbeamte persönlich, und über 200 andere hatten Vollmachten eingeschickt, so daß mit Ausnahme einiger Pastoren und der Mehrzahl der Oberbeamten alle bei der Sache Betheiiigte vertreten waren. Die Debatte war ziemlich lebhaft. Man war darüber einig , daß der geleistete Eid unschädlich zu machen sei, da­gegen spaltete sich die Versammlung in Betreff der Art und Weise, wie dies zu bewirken, in zwei Parteien , und so kam ein einstimmiger Beschluß nicht zu ,