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Militärische Briefe über den Krieg in Schleswig. 3. : Schlachten und Belagerungen.
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der kriegführenden Parteien sei. Diese Schwäche wird hervorgebracht entweder durch ungenügende Gesammtkrast eines Landes, oder durch den mangelnden Thatendrang des Feldherrn, oder aber durch den politischen Gedanken, welcher dem Kriege zum Grunde liegt. So hat Dänemark sich gegen die übermäch­tigen Deutschen hinter Befestigungen zurückgezogen; so hat Belgien, das im Kampfe mit seinen Nachbarn stets die Minderzahl des Heeres auf seiner Seite haben muß, in die Festung Antwerpen den Schwerpunkt seiner ganzen Macht gelegt; so haben Volksheere, wie z. B. die Spanier gegen Napoleon den Er­sten, die Niederländer gegen Philipp den Zweiten, sich stets vor den wvhl- vrganisirtcn Heeren ihrer Gegner in Festungen oder befestigte Städte zurück­gezogen. Ebenso treten in Amerika nach den blutigen Schlachten mit den ersterben­den Kräften der Confvderirtcn jetzt die Städtevertheidigungen in den Vordergrund.

Die Schwäche der Feldherrn hat vor Düppel wie vor Sewastopol die Armeen in lange Belagerungen statt in einen frisch unternommenen, aber wohl überlegten Slnrm verwickelt. So sind Düppel und Sebastopol aus Ver­schanzungen erst Festungen geworden. Der Entschluß eine Schlacht zu schlagen, conccntrirt das Geschick der Heere und Länder in die Handlungen weniger Stunden und macht die Zukunft ganz von dem Feldherrn abhängig. Eine Be­lagerung aber umfaßt einen Zeitraum von Monaten, wälzt die Verantwortung der Erfolge auf eine Menge untergeordneter Schultern und hat doch den An­strich eines großen Unternehmens. Die Schlacht rechtfertigt sich erst in dem Erfolge, die Belagerung aber vorweg in der Bedeutung der Festung ic. Dies Verhältniß ist es, was vor allen andern Dingen schwache Feldherrn in und vor Festungen führt.

Nichts macht aber den Feldherrn und die Kriegführung schwächer als die Kleinheit des politischen Gedankens, welcher dem Kriege zum Grunde liegt. Je weniger es die Absicht ist, die feindlich gegenüberstehende Macht zu ver­nichten, desto weniger Mittel werden angewandt, desto schwächer sind die Heere, welche auftreten, desto geringer sind die Resultate, welche man zu er­ringen sucht, desto kleinerer Resultate bedarf man auch, um den eigenen Wil­len durchzusetzen. So war der 18S4 begonnene Krieg der Engländer und Franzosen gegen die Russen durchaus nicht unternommen, um diese gänzlich niederzuwerfen, sondern nur um Kaiser Nikolaus abzuhalten. Eroberungen in der Türkei zu machen. Deshalb packte man nicht das russische Heer, wo es sich fand, sondern suchte einen isolirten Punkt, Sebastopol, aus, der als be­deutendste Seestation die Aussicht bot, hoch im Preise zu stehen und bei dem Streit den Ausschlag zu geben. Nur die Schwäche der ersten Führer und das Bedürfniß Napoleons, unter allen Umständen Ruhm zu ernten, ließ den Ver­lauf der Belagerung zu einem großen Krieg ausarten. Im Jahre 18S9 War Napoleon weit davon entfernt, sich in einen Kampf um die Existenz Oestreichs