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wohl eine passende Stelle gewesen sein für die Jdealdarstellung der jugendlichen Opfer des Götterzvrnes, die Niobiden.
Die Aufstellung dieser Statucngruppe, sei es an ihrem ursprünglichen Standorte oder in dem Apollotempel zu Rom, ist eine Frage, welche das innerste Wesen der Kunst berührt und durch ihre vielfachen Ncdenbeziehungen zugleich ein allgemein culturgeschichtliches Interesse in Anspruch nimmt. Seit langer Zeit war sie ein Streitpunkt gelehrter Erörterungen. Kaum einer der namhaften Kunsthistoriker hat sich ihr völlig entzogen. Od Giebclaufstellung an der äußern Fronte des Tempels, ob im Innern desselben Anordnung im Halbkreis, zwischen Säulen, in Hallen oder Nischen — jede dieser Aufstellungen ist vielfach vertheidigt und bcstritten, keine aber bis jetzt als unzweifelhaft erwiesen, angenommen worden.
An diesem Hauptpunkt des Werkes angelangt, lassen wir jedoch den Verfasser selbst sprechen, der nach eindringlicher Erwähnung der architektonischen Schwierigkeiten einer Giebelaufstellung S. 223—26 mit folgenden Worten fortfährt: „Wie wir linear einer großen Gleichmäßigkeit der Bewegungen in der Gruppe der Niobiden begegnen, dazwischen allerdings mehre Knoten- und Haltpunkte sich finden, endlich ein gewaltiger Höhcnpunkt uns vor Augen tritt, so ist im geistigen Gebiete durch alle Glieder gleichartig ein sehr hoher Grad des individuellsten Pathos ausgegvssen, das seinen Gipfel, aber auch seine Ausgleichung in der Gruppe von der Mutter und dem jüngsten Kinde findet. Wir leiden und bangen mit jedem Einzelnen und zwar auf seine eigene Weise; allen ist der Tod so unmittelbar nahe, alle sind von so edler Art, da giebt es keinen eigentlichen Hauptvorgang, keine theilnehmenden Zuschauer und ruhige Zeugen; jeder ist Spieler in der gewaltigen Tragödie. Die Tochter im Schoße der Mutter ist an und für sich nicht bedeutsamer, nicht mehr beklagenswert) als alle ihre Geschwister. In der Mutter spiegelt sich noch einmal das ganze gesammte Leid der Reihe ihrer Kinder ab."
„Durchmustern wir die Reihe der uns bekannten Giebeldarstellungen, Wie verschieden von ihnen allen ist die Niobidcngruppe! Wir haben zunächst und können nicht haben die im Tempel verehrten Gottheiten; aber wir haben auch nichts, was sie repräsentirt, nicht heroische Gestalten, die in ihrem Schutze stehen, für sie kämpfen, kein Symbol, um das sich die Gestalten gruppiren. Unser wahres Interesse wird nicht geweckt für jene vorauszusetzende göttliche Macht, nicht für die Vollziehung eines göttlichen Strafgerichtes. für die Machterweisungen des Apollo, nein, unser Herz schlägt nur für diese in Jugcndschöne und Geistesadcl dahinsinkcnde Familie, für diese immer sich steigernden, in der Mutter sich gipfelnden Seelenkämpfe. Nein, diese Niobiden sind nicht als Motto, als Ueberschrift, als eine religiös ofsicielle Ermahnung gebildet, nicht sollen wir erst einen sublimirten Gedanken herausziehen, sie sind nur in ihrer