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Zur Geschichte des Urchristenthums : 1. Theologie und Kritik.
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Zur Geschichte des UrchristentlMMs.

1, Theologie und Kritik.

Das Christenthum ist einerseits religiöser Glaube, und als solcher hat cs absolute Bedeutung für alle, die sich zu ihm bekennen; es ist andrerseits Geschichte, und als solche steht cs für uns unter dem Gesichtspunkt der ge­schichtlichen Erkenntnis;. In diesen beiden Momenten liegt der ganze Widerstreit, der die theologische Wissenschaft seit ihre» Anfängen bis auf diesen Tag bewegt. Ja dieser Widerstreit und die Versuche ihn aufzulösen find der eigentliche In­halt der Theologie. Wäre das Christenthum blos das Eine oder das Andere, so wäre eine besondere Wissenschaft der Theologie das Überflüssigste von der Welt. Wäre cs blos Religion, so würde cs gcnügcn. ihren Inhalt ein für alle Mal auszusprcchen; wärc cs blos Geschichte, so wäre es nie unter einen andern Gesichtspunkt als den rcin geschichtlichen gestellt worden. Daß es beides zugleich ist, macht cinc sortgchende Vermittelung zwischen beidcn Momenten nöthig.

Es liegt in dcr Natur der Sache, daß hierbei bald die eine bald die andere Seite überwiegen wird. Es läßt sich ein Standpunkt dcr Betrachtung denken, auf welchem dcr absolute Inhalt dcr- christlichen Religion als unveränderlich durch allc Zcit sich glcichblcibcnd festgehalten wird, und ein anderer, auf welchem er sich auflöst in cinc Rcihc von Glaubcnsmeinungen. welche sich mit den Zeiten und nach den wechselnden Nildungsverhältnissen verändern. Der erste Standpunkt kommt in Conflict mit dem geschichtlichen, der letztere mit dem religiösen Charakter des Christenthums. Beides sind Extreme, bei welchen cinc Scitc zu kurz kommt. Die Forderung wird also zunächst dahin lautcn, beide Extreme zu vermeiden, indem einerseits der Inhalt des Glaubens in eine wirk­liche' geschichtliche Entwicklung hineingezogen, andrerseits doch ein bleibender Gehalt als Resultat derselben aufgezeigt wird.

Allein wie man sich nun auch das Verhältniß beider Seiten zu einander näher denken mag, so zeigt sich doch bald, daß auf jedem Punkte das geschicht­liche Moment das absolut übergreifende ist. Jede Zeit glaubt, im Besitz der reinen christlichen Wahrheit zu sein; aber faßte man von irgendeinem Punkte

Grenzbotm II. 18K4. 1