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Zur Situation in Preußen.
In Nr. 24 der Grenzboten war eine mögliche Stellvertretung des Königs von Preußen besprochen, die Ungesetzlichkeit einer solchen Eventualität hervorgehoben und dabei erwähnt, daß in den letzten Monaten, zumal während der Erkrankung des Königs, diese Frage die feudale Partei beschäftigt habe. Eine officiöse Berichtigung hat die Dreistigkeit, nach einem kurzen, ungenauen Referat unseres Artikels die Behauptung auszusprechen, daß „die ganze Sache" eine Lüge der Fortschrittler sei. Der Mangel an Wahrhaftigkeit in den ofsiciösen Berichtigungen, welche von Berlin ausgehen, ist gegenwärtig so groß, so notorisch und durch ganz Europa so verachtet, daß wohl keiner unserer Leser diesem plumpen Versuch, Thatsachen zu desavouiren und die Aufmerksamkeit von einer für das Ministerium unangenehmen Frage abzuziehen, irgendwelchen Glauben geschenkt haben wird. Zum Ueberfluß sei hier versichert, daß der betreffende Artikel d. Bl. sehr vorsichtig und schonend nur die Wahrheit mitgetheilt hat. Jeder kann sich davon überzeugen, den nicht Widerwille abhält, die Rodomontaden und kühnen Speculationen der feudalen Presse seit Beginn dieses Frühjahrs nachträglich zu Mustern.
Allerdings kann von einer Stellvertretung des Königs durch den Kronprinzen jetzt gar nicht mehr die Rede sein. Denn bereits läuft die erfreuliche Thatsache durch die Tagespresse, daß der Thronfolger Preußens gegen die octroyirte Verordnung vom 1. Juni seine Verwahrung eingelegt, sich offen für Recht und Gesetz ausgesprochen und seine Aemter dem König zur Disposition gestellt hat. Es ist ein frischer Luftzug in schwüler Atmosphäre. Noch sind in die Oeffentlichkcit nicht genug Einzclnheiten gedrungen, um Bedeutung und Tragweite dieses folgenschweren Actes vollständig deutlich zu machen, aber schon jetzt ist deutlich^ daß dem hersetzenden System dadurch ein harter Schlag zugefügt worden ist und daß dieser Schritt des Prinzen möglicherweise die Chancen für ein gutes Ende der gegenwärtigen Krisis vermehrt.
Diese gute Aussicht beruht allerdings nicht darauf, daß dem gegenwärtigen Conflict zwischen Regierung und Volk die Spitze abgebrochen werde und daß das brennende Leiden des Staates sich in ein langes Siechthum verwandle. Auch wir sind innig überzeugt, daß ein Ministerium Bismarck gegenwärtig viel heilsamer für den Staat ist, als die vorsichtigere Verwaltung des Herrn v. Mantcuffel oder eine klügere Reaction des Herrn v. Goltz. Die entschlossene und ernste Haltung des Kronprinzen und allerlei Erwägungen, welche sich in den höchsten Kreisen an seinen Widerstand knüpften, mögen dazu beigetragen haben,
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