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Die Octroyirungen und die Stellung des Thronfolgers in
Prcnßen.
Schneller als zu erwarten war, hat das Ministerium Bismarck begonnen, das Programm der Octroyirungen in Ausführung zu bringen, welches durch die feudale Partei seit Monaten angezeigt war. Mit der Presse wurde, wie billig, der Anfang gemacht.
Die neue Verordnung und die derselben vorausgesandte Motivirung durch das Ministerium war wohl angethan, außerhalb Preußen ein tiefes Staunen zu erregen. Alles was man von einer frischen und fröhlichen Reaction erwarten konnte, wurde durch die neue Maßregel übertroffen. Die Pedanterie gerichtlicher Verurteilungen und die dabei unvermeidlichen Zufälligkeiten sind gründlich beseitigt. Nicht mehr das einzelne Vergehen gegen das Gesetz wird bestraft, sondern die Gesammttendenz des Blattes. Denn den Verwaltungsbehörden ist anheim gegeben über die Haltung der Blätter zu entscheiden, diejenigen, welche eine feindselige Tendenz nicht zu verbergen im Stande sind, werden zweimal verwarnt, dann unterdrückt. Bei den außerhalb Preußen erscheinenden Blättern sind nicht einmal diese Weitläufigkeiten nöthig. Das Memorial des Ministeriums hat noch die Rücksicht, für die nichtpreußischen Blätter eine einmalige Verurtheilung als Vorbedingung des Verbotes bestehen zu lassen, die königliche Verordnung beseitigt auch diese Formalität, jedes nichtpreußische Blatt kann ohne Weiteres durch das Ministerium verboten werden.
Es ist bitter, daß so etwas möglich war, aber es ist gut. daß die Krankheit des Staates so schnell und so auffällig sichtbar wird. Es ist jetzt Sache des preußischen Volkes, die Heilung herbeizuführen.
In dieser Zeit bereitet sich des Königs Majestät zur Wiederherstellung seiner Gesundheit sein Land zu verlassen, wie ministerielle Blätter melden, auf mehre Monate.
Die Unpäßlichkeit des Königs und seine längere Abwesenheit legen eine Frage nahe, welche, wenn man einzelnen unvorsichtigen Aeußerungen der feudalen Partei Gewicht beilegen kann, schon in diesem Frühjahr das Ministerium beschäftigt hat, und welche möglicherweise in naher Zukunft für Preußen eine so große Wichtigkeit erlangen kann, daß sie alle andern innern Fragen in den Hintergrund drückt. Dies ist die Frage wegen Stellung des Thronfolgers für den Fall, daß eine Leitung der Regierungsgeschäfte durch denselben bei Lebzeiten des Königs wünschenswerth erscheint.