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Zur Geschichte des deutschen Dramas.
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Zur Geschichte des deutschen Dumas.

Tirol nahm an der Literatur des Mittelalters sowohl der höfischen als der bürgerlichen einen hervorragenden Antheil. Was jene betrifft, verweisen wir auf die große Anzahl Minnesänger, die in dein Werke Hagens erwähnt sind, und auf den letzten derselben Oswald von Wollenstein, dessen bunte Lieder Beda Weber dem Druck übergab. Insbesondere war es der Adel, welcher der Poesie und Kunst mit warmer Liebe zugethan war, während er jetzt meistens vorzieht Variationen zu BcrangerS Marquis Carabas oder dem Donquixote des Cervantes zu liefern. Die Zahl der Handschriften, darunter die einzige der Gudrun, war auf den Burgen sehr groß, viele derselben hat spätere Unwissen­heit vertrödelt oder als Makulatur verworfen. Den größten Schaden stiftete in dieser Beziehung die Nvcvcvzeit, wie etwa von einem Adeligen zu erzählen, der den Bauernjungen die wichtigsten Pcrgamenturtunden schenkte, um sie als Taschen zum Aufbewahren der Leiünuthen "beim Vogelfang zu benutzen. Was die bürgerliche Dichtung betrifft, so erinnern wir an Vintlers Blume der Tugend, welche, um 1411 verfaßt, deutsche und italienische Literatur verknüpft und dem­nächst einen neuen Abdruck erlebt. Das Werk ist didaktisch. Kein Zweig der Poesie wurde aber vielleicht sv gepflegt als das Drama. Wir meinen hier nicht die Bauerntomödien, welche aus der Nachahmung der Jcsuitenspiele entstanden und auch jetzt noch an manchen Orten Legenden, Mordthaten und Ritterspektakel darstellen, sondern jene Stücke, die Ereignisse aus dem Leben Jesu, insbesondere sein Leiden und Sterben enthalten. Nördlich des Brenners war Hall eine der wichtigsten Stätten für die Geschichte des deutschen Dramas; das lustige Hall, welches Sigmund der Münzreiche sv gern besuchte, um dort mit den Frauen zu tanzen und zu scherzen, wenn ihm die Burg zu Jnsbruck mit ihren Hof­schranzen verleidet war. Hier blühte das PassivnSspiel, hier wurden auch schon frühzeitig Faschingsschwänke gegeben, davon jedoch wollen wir dann erzählen, wenn wir das massenhafte cultürhistvrische Material, welches in den Reitbüchern der guten, jetzt allmälig heruntergekommenen Stadt aufgehäuft ist, vollständig bewältigt haben. Ueberschreiten wir den Brenner, dort an der Etsch war in den Burgen, deren zertrümmerte Wände noch Bilder aus den Nibelungen, der Tafelrunde und Tristansage schmücken, das Minnelicd erwacht; in den Städten führten die Bürger die Eharwvche hindurch ihre Passivnsspiele auf. Zu Bvtzen liegt derbcrüeinbt nvtist und bassist, auch Schulmeister Benedikt Debs, welcher eine alte Scardegge vvn Ingvlstadt gebracht." Diese alteScardegge", enthielt Passivnsspiele, welche zu Bvtzen, Fleims und Trient, wv damals das Deutsche einen bessern Curs gehabt haben muß als jetzt, aufgeführt wurden. Debs starb 1515 und hinterließ die alteScardegge". dem Vigil Raben zu Sterzingen, einem Maler, welcber dann den Passion umarbeitete und in seiner Heimath zur Darstellung brachte, wobei auch die Rollen der Frauen vvn Männern gespielt wurden, deren Namen uns alle erhalten sind, lauter wackere Bürger. Ihre Söhne und Nachkvmmen sitzen noch zu Sterlingen, die Lust zum Passion ist ibnen aber längst vergangen, es sei denn, sie blättern in ihren «schuld- und Steuerbüchlei». Wer sicb über diese Dinge näher unterrichten will, den ver­weisen wir auf das Buch: Ueber das Drama des Mittclalters in Tirol von Adolf Pichler, welches vor einigen Jahren zu Jnsbruck erschien. Er kann sich daraus überzeugen, daß Debs und Raben kein deutscher Lope und Caldervn gewesen, welche die Gebeimnisse des KathvlizismuS mit der feurigen Pracbt ihrer mystischen Poesie geschmückt, sondern ehrsame Bürger, welche die Poesie fast in der Weise des Handwerkes betrieben. Dem Sterzinger Passton, so wie dem von Hvfmann mitgetheilten und anderen Dramen dieser Art lag höchst wahrscheinlich ein älteres Stück zu Grunde; denn sonst könnten nicht allen ganze Rechen vvn Versen, sei nun die Stellung der Scenen so oder so, ge-

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