Schriftstellerinnen.
Unvergessenes. Denkwürdigkeiten aus dem Leben vvn Helmina vvn Ehvzy. Von ihr selbst erzählt. 2. Bd. — Leipzig, Brvckhaus. —
Erinnerungen für edle Frauen vvn Elisabeth von Stägcmann. 2. Auflage. Mit einer Einleitung von G. Kühne. — Leipzig, Hinrichs. —
Charakteristik und Naturgeschichte der Frauen. Vvn Bogumil Goltz. — Berlin Janle. —
Die Frauen in der Kunstgeschichte. Von Pros. Ernst Guhl. — Berlin, Guttentag. —
Das Morgenblatt gibt unter der Überschrift: „Aus dem Leben einer Dichterin" biographische Mittheilungen über Frau von Chezy aus der Feder U)res eignen Sohnes. Diese Mittheilungen zeigen uns deutlicher als die unsittlichsten Romane unsrer Zeit, wie nothwendig es ist. der heillosen Verwirrung in unsern sittlichen Begriffen ein Ziel zu setzen; nicht was hier erzählt wird, sondern daß es der Sohn ist. der so über seine Mutter zu sprechen wagt, bringt jenen peinlichen und widerwärtigen Eindruck hervor, dem man die stärksten Worte leihen möchte.
Gleichzeitig erscheinen nun die eignen Denkwürdigkeiten der Dichterin, die sie kurz vor ihrem Tode (28. Februar 1856) in Genf ihrer Mnhme Vertha Borngräber dictirt hat. Sie war schon lange blind und lebte von einer kleinen Pension des Königs von Preußen. Varnhagen hat das Manu- script durchgesehn, aber nichts Wesentliches zu ändern gefunden. Das Buch verbreitet über manche Seitenpfade der Literaturgeschichte ein dcmkenswerthes Licht, aber es macht einen sehr trüben Eindruck. Es ist nicht blos ein verfehltes Leben, das uns iu demselben entgegentritt: derselbe Grundirrthum öieht sich durch drei Generationen hindurch. Frau von Chezy ist zweimal geschieden, ihre Mutter ist zweimal geschieden, ihre Großmutter, die berühmte Karschin, ist zweimal geschieden. Es sieht wie eine Art Prädestination ans; ^cnn man aber genauer aufmerkt, so findet man, daß überall gleiche Ursachen gleiche Wirkungen erzeugen. Und grade darum sind diese Memoiren
Grenjbot-n I. 1869. 21