Beitrag 
Rückblick auf die neueste Geschichte Venezuelas. 3. : Die Dynastie Monagas.
Seite
517
Einzelbild herunterladen
 

517

Mal gelächelt. Der Trauerflor ist gefallen. Wie eine Traumwelt gaukelte der plötzliche Umschwung vor den so leicht beweglichen Gemüthern. Möchten sie endlich das Eine, was ihnen Noth thut, erkennen und alle eitlen Prätentionen abthun! Trüge das bisherige Unglück auch nur diese Frucht, daß die gebildeten Kreolen zu ernster männlicher Lebensführung sich entschlössen und praktische Ziele verfolgten, so würde es nicht schwer sein, dauernde Zustände zu lu'gründen, Die Probleme sind dort sehr einfach, das Volk sehr lenksam, und die Hilfs­quellen des Landes unermeßlich. Aber nach unsern Erfahrungen bedauern wir. auch jetzt für die Zukunft desselben fürchten zu müssen.

AUS KonstiMtinopcl. 9. Juni. Einen interessanten Anblick bieten die eben jetzt ibrem Schluß entgegengehenden Vcrmählungsfestlichkciten dar, wie sehr auch im Ucbrigcn der Einwand gerechtfertigt erscheint, daß dieselben in Hinsicht auf Pracht und Glanz außer Verhältniß zu dem stehen, was sie kosten. Diese letztere Summe wird auf t>0 Millionen Piaster angegeben, und nach den Erfahrungen, welche das vorjährige Bcfchneidungsfcst geboten, dürfte sie noch überschritten werden. In einem Staate wie der türkische ist, dessen Finanzen nicht prospcriren, ist das eine sehr be­deutende Ausgabe, und es wäre beklagenswert!), wenn sie in der späteren Zeit sich öfters wicderbvlen sollte. Indeß bat das Fest, abgesehen von der erschreckenden Hohe der Kosten. auch seine anziehenden Seiten. Es ist eine Volksseier im wahren und gemüthlichsten Sinne des Wortes, eine Gelegenheit der Verbrüderung zwischen hoch und niedrig, und wobei Speise und Trank in ungeheuern Massen an die hier oft darbende, und namentlich im letzten harten Winter vielfachen Entbehrungen unterworfen gewesene ärmere Bevölkerung ansgetheilt wird - allerdings auf Staats­kosten, aber doch in einer Weise der Gleichheit und nicht spärlich abwägenden, aber parteilosen Gerechtigkeit, tcr man Anerkennung nicht versagen kann. Das Fest be­gann am lctztvergangene» Donnerstag vor acht Tagen, und wurde durch Kanoncn- salven von den verschiedenen Hafcnbatterien und den Kriegsschiffen begrüßt, die sich seitdem täglich dreimal wiederholten. Der Sultan kam am ersten Tage erst Abends nach seinem Zelte. Früher trafen seine Söhne und die zu vermählenden Töchter nebst den ersten Kadincn (Gemahlinnen des Padischah) ein. Diese Auszüge waren sehr glänzend, und besonders zeichneten sich die Wagen durch eine außergewöhnliche Pracht aus. von der alles, was das vorjährige Beschneidungsfest in dieser Hin­sicht vorgeführt hatte, überboten wurde. Denken Sie sich Carosscn. die, im recht eigentlichen Sinne des Wortes, mit Gold und Silber überdeckt sind. Auf einem dieser Prachtwagcn. der von fünf mit brocatenen Stoffen überdeckten Pferden ge-