333
Decuriat und die Augustalität zu zahlende Geld erlassen. In den beiden ersten Jahrhunderten, als die Willkür der Kaiser nach nicht das Vermögen der Communen antastete und ihnen unerschwingliche Lasten auslegte, si,r die. dann die Decurioncn persönlich haften mußten, fand ein Zudrang zu den Aemtern statt und die Bewerbungen führten zu Wahlumtrieben, die bisweilen Aehnlichkeit mit einem Sturm in einem Glase Wasser gehabt haben müssen. An den Häuscrmauern der Straßen in Pompeji sind zahlreiche Empfehlungen von Wcihlcandidaten angeschrieben, die theils von einzelnen, theils von Gilden und Korporationen ausgehen und mitunter sehr ungrammatisch abgefaßt sind, z. B. Saturninus mit seine Lehrlinge schlägt den C. Euspius Ponsa zum Aedilen vor. Ein andrer Anhänger desselben Kandidaten sügt seiner Empfehlung bei: Er schafft gutes Brot <die Aedilen hatten die Marktpolizei). Aehnliche Zusätze, z. B.'. er ist es werth! u. dgl. finden sich öfter. Jede Wahl gab ans diese Weise den professionellen Schreibern zu thun, welche solche Voten mit Farben an die Mauern pinselten; die Hausbesitzer mußten sich dies gefallen lassen, und nur in den Grabschriften werden die Schreiber höflich ersucht, die Mauern der Monumente nnbepinseit zu lassen. Ganz be sonders thätig waren bei diesen Wahlkämpfen die Gilden (collc?^) der ver- schiedenen Handwerke und Arbeiter. In Pompeji, wo die Kollegia auch bei dem oben erwähnten Kampf im Amphitheater sich so sehr hervorthaten, daß mehre durch Senatsbeschluß aufgelöst wurde», erscheinen in diesen Maueranschlägen die Goldschmiede, Bäcker, Maulthiertreiber, Zimmerleute, Stellmacher, Obsthändler nnd Salinenarbeiter, - außerdem eine (religiöse» Isisbrüderschaft.
Neueste Entwicklung des pariser Credit-MMlier.
„Was wäre Frankreichs Volk jetzt ohne den dritten Napoleon, was Frankreichs Handel und Industrie ohne den ersten Pereire!" so schrieben wir an dieser Stelle vor noch nicht einem Jahre. Napoleon ist noch an seinem Platze und das französische Volk wird noch immer durch ihn gerettet und ist somit glücklich, und Pereire — auch er ist noch da, aber es ist nicht mehr der Pereire, zu dem die Fondsbörsen vertrauend emporblicken, der Mann der herrlichen Unternehmungen und der noch herrlicheren Dividenden. Pereire hat es selbst ausgesprochen, was vierzehn Tage vorher den kaiserlich französischen Rittern bei schwerer Strafe verboten war nur zu muthmaßcn, er hat dies-
i