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Johannes von Müller und seine Zeit. 5. : Wien, 1792-1803.
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Krisen der Menschheit haben manchmal die unerwartetste Wendung bekommen; unvcrmuthete Dinge können die Waffen, welche man fürchtet, in ihrer Wirkung aufhalten, ja wider die wenden, welche sie führen. Was anders sind die, welche alles zu bewegen glauben, als Räder, die nicht allein dahin gehen, wohin sie wollen, sondern geführt von dem unerforschlicheu Geist? Auch wir wollen über das nicht zu Aendernde getrost sein."

Mit dieser trüben Aussicht, die schneller als Müller glaubte sich in eine schreckliche Gewißheit verwandelte, schließt das Buch, das unfertig in seinen Vorarbeiten, höchst mangelhaft in seiner Komposition und nicht ohne innere Widersprüche in Bezug auf die ideale Auffassung, dennoch einen weit tiefern Einblick in den Organismus der Geschichte eröffnet als die zahlreichen Versuche in der Geschichtsphilosophie, die damals auftauchten; ein Buch, das noch heut ein ernstes Studium verdient.

Gmnins Licinicums.

Ks,i lZri-ÄtNi I^icinikrui ^rmirlium 8uper-»unt ex cocliee tsr sorixto musei Lrit.krnuiei Ixiucliiwll^i» nune xrinnivi ecliäit, Karolus ^.uz;. I^i'iil. Porti?. Lern- lini. 1857. gr. 4. Auch die Philologie erfährt, was überall von verlorenen Dingen gilt. Wv sie durch Jahrhunderte mit rastloser Aufmerksamkeit suchte, hat sie nichts gefunden, nicht die verlorenen Bücher des Sallust, Livius, Taeitus; wv sie dagegen nichts erwartete, warf ihr ei» günstiger Gvtt zuweilen wcrthvvllc Ge­schenke zu. So jetzt einen römischen Geschichtschreiber, dessen Namen man kaum gekannt hatte.

Als Gcvrg Heinrich Pcrtz mit seinem Sohne Karl im Jahre 1853 für seine Monumcnta Gcrmaniac Handschriften des britischen Museums durchsah, zeigte ihm Dr. Paul Böttichcr, der eben dort syrische Manuscripte benutzte, einen Codex aus dem 11. Jahrhundert, welcher unter seiner Schrift Spuren einer ältern ausgekratzten zeigte. Einzelne Namen, das angenehme Wvrt oa-Malium kvnnten entziffert werden, es war etwas von Sulla und einem Priesterthum des Mars zn erkennen. Zugleich ergab steh, daß der Codex nicht zwei-, sondern dreimal beschrieben war, uud daß unter dem obern Texte zwei andere weggeschabte, aus verschiedenen Zeiten in tausend­jährigem Schlummer lagen.

Diese Entdeckung veranlaßte den ältern Pcrtz im Jahre 1855, den jüngern im Jahr 1856, den Codex genauer zu untersuchen, nud durch chemische Reagentien so viel als möglich die Spuren der ältesten Schrift wieder zn erwecken; der Sohn vollendete endlich die mühevolle Arbeit. Das vorliegende Buch enthält die Resultate, große Fragmente eines römischen Geschichtschreibers, der älter als LiviuS ist.

Das britische Museum erwarb die Handschrift vvr zwölf Jahren aus einem Kloster der lybischcn Wüste mit etwa fünfhundert andern Mnuuseripteu die Hdsch. ent­hielt von einer Hand des 11. Jahrhundert Homilic» des heiligen Chrysostvmus in su-