Beitrag 
Bildende Kunst.
Seite
78
Einzelbild herunterladen
 

78

schncider, vom bloßen Geldvcrdienst absehend, mit schöner Beharrlichkeit dem Ziele nachstrebten, ein wirkliches Kunstwerk zu schaffen. Daß ihnen dies bis zu einem gewissen Grade gelungen ist, leidet keinen Zweifel; jedenfalls ist die Federzeichnung, nach welcher der Holzschneider gearbeitet bat, in allen Stücken getreu und corrcct, wird möchten sagen zu correct und getreu, wiedergegeben.

Das Werk stellt eine Felsschlucht dar, in welcher eine Löwin ihren vor ihr bingcstrcckten, von einem Wurfspieß durchbohrten Gemahl betrauert, während oben durch eine Oeffnung in der Steinwand Bcduincnjäger sichtbar werden, die auch ihr Leben zu bedrohen scheinen. Die Gruppirung dieser Figuren ist gut, die Bewegung der Löwiu ist in der Conception ebenfalls angemessen. Die Jäger hätten füglieh wegbleiben können, da sie, wofern sie den auch der Löwin drohenden Tod andeuten sollen, die eigentliche Wirkung des Bildes der trauernden Löwin stören; sollen sie aber sagen, daß der Löwe durch Jäger umgekommen ist, so sind sie über­flüssig, da die Ursache des Todes schon hinreichend durch den im Leibe des Thieres steckenden abgebrochenen Spieß angegeben ist.

Das Bild würde ferner an Wirkung gewonnen haben durch eine feinere Beob­achtung des Stofflichen. Das Fell der Thiere. Sandboden mit HalfehgraS, Felswand, Palmen und Aloe sind in der technischen Behandlung jedenfalls zu gleichmäßig. So hätte beispielsweise die Schattenseite der Felswand, rechts wo die Jäger hcrablugcn, ruhiger und in zurückweichenden Tönen behandelt werden sollen. Der Körper des lie­genden Löwen hätte sich mehr rund von der Fläche abheben müssen, wie auch die ganze Muskulatur der Thiere noch präciser und energischer sein könnte. Endlich aber will das Blut vor dem Maule des todten Löwen uns nicht recht wie Blut erscheinen. Trotz dieser Ausstellungen an dcn Einzclnhcilcn verdient das Blatt als Ganzes namentlich als tüchtiger gesunder Holzschnitt -- dcn besten Leistungen der Gegen­wart auf diesem Gebiet bcigerechnct zu werden, und in dieser Eigenschaft empfehlen wir es allen Freunden der Kunst angelegentlich.

Literatur.

Die Böhmifch e n Exulanten in S a cl, scn von Ch r. A. Peschcck. Leipzig, S. Hirzcl 1857. Es ist von mehrfachem Interesse zu ermitteln, wie die einzel­nen Völkcrstämme des gegenwärtigen Deutschlands durch die Ucbcrgänge der In­dividuen aus einem Stamme in dcn andern allmnlig zu ciner deutschen Nation gemischt worden sind. Das Ineinanderfließen der Stämme durch Ein- und Aus­wanderung war während fast zwei Jahrtausenden niemals ganz unterbrochen, hat aber in verschiedenen Zeiträumen besondere Ausdehnung erreicht. Von der politischen Geschichte wird das masscnhaftc Einströmen der Deutscheu in das Slavenland zwischen Elbe und Weichsel noch am ansführlichstcn behandelt. Aber nicht wcniger eigenthümlich waren die Verhältnisse in Böhmen. Seit dem frühsten Mittelalter fand dorthin ein fried­liches Einziehen deutscher Bildung und deutscher Individuen statt. Doch die deutsche Colvnisation des Landes wurde mehr als einmal durch eine kräftige Gcgenströmung