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Neue englische Romane.
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Neue englische Romane.

Es liegt uns in der Tauchnitzer Ausgabe wieder eine ganze Reihe ucucr Romane vor, die in England mehr oder minder Anklang gefunden haben, und deren Verbreitung wir iu Deutschland uur bevorwortcn können, weil sie uicht nur in Beziehung auf die sittlichen Grundbegriffe, sondern anch ans die gewöhnlichen Vorstellungen des Lebens unö näher stehe», als die französischen Novellen, die eine Zeitlang die ausschließliche Nahrung unseres Lcsepublicnms waren. Sie bewegen sich sämmtlich in der modernen Gesellschaft, nnd rühren zum größeren Theil von Frauen her. Ueberhanpt ist cS charakteristisch, daß seit beinahe einem Jahrhundert die weiblichen Schriftsteller in England uicht nur an Znhl, sondern anch an Werth die der übrige» Nationen bei weitem überragen. In Frankreich geben die Damen von Geist und Bildung ihre Kräfte meistens in den Leiden­schaften des wirtlichen Lebens, oder in der Conversativn ans. Die aristokratischen nnd puritanischen Formen der englischen Gesellschaft gewähren in dieser Beziehung einen geringen Spielraum, daher flüchtet sich alles Taleut in das Gebiet der Phantasie.

Der erste Roman, den wir anzuführen haben, ist Billette von Currcr Bell. Die Schriftstellerin, die sich unter diesem Namen nicht blos in England bekannt gemacht hat, heißt eigentlich Miß Bronte. Sie hat ihr Jncognito im vorigen Jahre abgeworfen, als sie die Novellen ihrer beiden früh verstorbenen Schwestern hcranögab. Ihre beiden frühern Romane sind bekanntlichJane Eyrc" (1848) undShirley" (18Ü0). Die allgemeine Tendenz ihrer Schriften spricht sich schon in der Widmung des zuletzt genannten Romans an Thackeray ans, den sie einen Propheten der Zukunft nennt. Unter allen möglichen Bezeichnungen dürfte wol die eines Propheten für diesen Dichter die am wenigsten angemessene sein. Sein Scepticiömns zerreißt die Empfindungen nnd Handlungen der Menschen mit einer so unerbittlichen Virtuosität, daß alles Ideal zu Grunde geht, uicht mit dem Leichtsinn eincö Voltaire, der mit Behagen die Tollheiten der Welt genießt,

Grenzbvten, I. t6