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Adelbert Stifter.
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das Wild, die Kohlenbrenner, Jäger n. s. w., er hat ihm die Thätigfeit ver- schiedeuer Ha»dwerler anschaulich gemacht, ihm verschiedene Märchen erzählt, »ntcr anderen auch die Geschichte von einer großen Pest, die vor, langen Iahren das Land verwüstet, und ist dann mit ihm »ach Hanse gegangen. Pmiktnm. --- Diese Komposition ist doch etwas Unerlaubtes. Anch z» einem Genrebild gehört Einheit der Stimmung und wenigstens ein gewisser geschichtlicher Faden; wenn man sich damit begnügt, verschiedene Stimmungen, Empfindungen, Anschauungen, Vorstellungen lose an einander zu fädeln, so wird nicht einmal ein Genrebild dar­aus. Herr Stifter hat der Angabe nach seine ttrzüblnngen die Metbode ist nämlich in allen dieselbe vorzugsweise für reifere Kinder eingerichlct; aber wir sind überzeugt, daß ein tüchtiger Junge anch nicht eine halbe Seite in diesen Geschichten lesen wird, ohne darüber einzuschlafen; für Erwachsene aber, die an der Sinniglcit der Empfiudnng Frcnde haben, paßt wieder der kindliche Ton nicht.

Damit soll keineswegs gesagt sein, daß dem Dichter nicht ein großes Verdienst zukommt. Einzelne Schilderungen von Landschaften, von dem Stillleben der Natur, auch tleiue Züge des Gemüths sind bezaubernd schön, und in dem Ganzen herrscht ein friedlicher, wohlwollender Ton, der einen angenehmen Eindruck macht; aber das reicht doch noch nicht aus. Vielleicht aus unbewußter Reaction gegen die modernen Propheten, die ihre innere Hohlheit durch Großsprecherei zu ver­decken suchen, bleibt der Dichter lediglich im Detail, er macht nicht einmal den Versuch, eine zusammenhangende verständliche Geschichte zu erzählen, oder eine bestimmte Gestalt, einen bestimmten Charakter in deutlichen Umrissen zu zeichnen. Es schwebt ihm vielleicht so etwas in der Phantasie vor, aber da er nuö immer mir einzelne Seiten zeigt, so können wir nnS dieses Bild nicht ergänzen, für NW bleibt Alles Charade und Räthsel. ist sehr schade, daß ein so feiner Kopf, der mit sv viel Empfindnng für alles Schöne ausgestattet ist, durch ein falsches ästhetisches Princip sich i» eine verkehrte Richtung hat treiben lassen.

T h a e r K y.

Bereits bei der kurzen Besprechung einer Reihe neuer Bände iu der Tauch- nitz'schcn Anögabe euglischer Klassiker wurde der nene Roman von Thackeray Henry Esmond" erwähnt; wir kommen hier noch einmal darauf zurück, theils weil das Bucb an sich eine ausführlichere Besprechung verdient, theils weil wir bei der Gelegenheit von dem Dichter selber Einiges sagen müssen, der iu neuester Zeit in Deutschland wie in England eine sehr große Beachtung gefuudcu hat. Wie auch der Eindruck seiu möge, den er ans die verschiedenen Individualitäten macht, die Gerechtigkeit dieser Beachtung wird Niemand in Zweifel stelle».

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