Contribution 
Adelbert Stifter.
Page
42
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

42

es ist vollkommen richtig, das! man gerade bei der Wissenschaft es am lebhaftesten verfolgen kann, wie auö dem anscheinend Kleinen das Große hervorgeht; aber der Dichter übersieht dabei doch einen Umstand. Der Eindruck des Großen nnd Bedeutenden wird zwar dnrch diese kleinen, anscheinend unbedeutenden Unter­nehmungen vermittelt nnd knüpft sich an dieselben, aber er geht keineswegs darin ans, er ist vielmehr ans der Einsicht in das großartige Znsammenwirken her­geleitet, welches aus einem tiefen Gedanken entspringt nnd eine große nnd hin­gebende Aufopferung nach allen Seiten hin erheischt, er ist also an sich schon etwas Großes nnd Bedeutendes; nnd nun hat gerade die Kunst die Aufgabe, diesen Eindruck des Großen und Bedentenden, den der gewöhnliche Mensch dnrch Einzelstndien sich mühsam erwerben muß, in einem Bilde zn eoneeutrircn nnd da­durch zur Uumittelbarkcit zu erheben. Die Knust kauu also nicht daraus aus­gehen, uns Studien zn geben, wie sie der denkende und fein fühlende Mensch selber macht, soudcrn sie hat die Aufgabe, uns dieser Studien anscheinend zn über­heben und uns das als wirklich daseiend darzustellen, dessen Existenz wir nnö im gewöhnlichen Leben nur durch Schlüsse und Reflexionen vermitteln.

Die Naivetät, die Adelbert Stifter in seine» Studie» anwendet, hat etwas »ieflectirteS nnd ist außerdem »»künstlerisch. Ans seiner Einsicht nämlich, daß alle Erscheiuungen im Gebiet der Natur nnd Geschichte wichtig sind, geht die Neigung hervov, auch iu dem Kunstwerk Alles mit gleicher Wichtigkeit und einem gewisse» magische» To» z» behaudelu. Er erzählt mit derselben Würde und Feierlichkeit, wie ei» Großvater seinem Enkel die beschinuzteu Höschen auszieht, wie er große Naturerscheinungen darstellt. Das ist aber ein logischer wie ein ästhetischer Mißgriff.Wichtig" undunwichtig",bedeutend" undunbedeu­tend" sind Nclativbegrisfe; sie drücken die bestimmte Beziehung eines Gegenstandes zu einem ander» Gegenstand, den man hauptsächlich vor Augen hat, aus. Wenn ich ein Genrebild male, so werde ich mit Recht auf gewisse kleine Züge ein gro­ßes Gewicht lege»; ich thäte aber Unrecht, wenn ich dieselbe Methode bei einem historischen Gemälde a»we»dete. Nun läßt uns aber der Dichter vollständig im Unklaren, was eigentlich sein Gegenstand ist. Als Beispiel wählen wir die erste Erzählung. In der Einleitung betrachtet er einen Stein, der der Erzählung den Namen giebt. Er erinnert sich, als Kind häufig ans diesem Stein gesessen zu haben, und dabei fällt ihm ein, daß öfters ein Mann vvrübergcsahre» sei, der Wagenschmiere seil geböte». Diese Wagenschmiere wird mit einer Andacht behandelt, wie etwa daS Verhältniß Nvmco'S zu Jnlie im Shakespeare. Einmal hat ihm der Mann die nackten Füßchcn mit Wagenschmiere bestriche», er ist nach Hanse gekommen, hat den Fnßbvdcn beschmnzt nnd ist dafür von seimer Mutter mit Nnthen gestrichen worden. Um ihn zn trösten, hat ihm sein Großvater die Füße gewaschen und ist mit ihm spazieren gegangen. Ans diesem Spaziergang hat er ihn ans das stille Leben der Wälder anfmertsam gemacht, ans die Vögel