416
aus bloßer Eitelkeit; eine Umkehr aus bloßer Furcht vor der Holle, vou deren Existenz mau handgreiflich überzeugt worden ist; uud iu diese Eitelkeit und Feigheit fortwährend eine sentimentale Stimmung gemischt, die über die uackte Sünde einen dünnen, lüsternen Schleier wirft — das alles ist eine sehr unangenehme Erscheinung, aber lehrreich für diejenigen unserer protestantischen Ncactionars, die wieder im Begriff sind, jede positive Religion, und die älteste, legitimste am liebsten gelten zu lassen; lehrreich, so lange noch nicht die lchte Spur eines sittlichen Princips in ihrem Gemüth verwischt ist.
Schulwesen in Ungarn.
II. Die philosophischen Lehranstalten.
Die Maugelhaftigleit des östreichischen Gymnasialnnterrichtö hat die Nothwendigkeit erzeugt, dcu Jüngling, welcher sich einein Hochstndinm ans der Universität widmen wollte, durch ein Medium wandern zu lassen, das ihm die Befähigung znm Empfang eines hohem Unterrichts geben sollte. Dieses Medium bildete einen Lehrlnrö in zwei Jahrgängen, welcher allgemein „der philosophische" genannt wurde, aber vielmehr den Namen „Matnritätskurö" verdient hätte. Die Anstalten, in welchen dieser Kurs gelehrt wurde, waren uuter drei Namen bekannt: 1) Akademien, welche nur bei den Katholiken in Preßbnrg, Nab, Kassan und andern Orteu anzutreffen waren. 2) Kollegien, ausschließlich bei den Protestanten helvetischer Evilsession') iu Debreziu, Palak (Zempl6nyer Gespannsch.), Papa (Veßprimer Gespannschast), KeeskeuuU uud Nagy Körös (Pesther Gesp.). Z) Lyceen bei allen drei Confessionen, wie das katholische in Erlau, Temesvür, Szegedin n. a. O., das lutherisch-protestantische zu Preßburg, Oedeuburg, Käsmars u. s. w., das calviuische zu Szigeth, Lvfonz, Miskolz u. a. O.
Doch stehen diese Namen durchaus in keinem Verhältnisse mit der Rangordnung oder dein innern Gehalt dieser Anstalten, uud scheiueu sie meist der Lauue des ersteu Hundators ihr Eutsteheu zu verdanken.
Der „Hörer der Philosophie" wurde bei den Katholiken, von den Hanpt- lehrgegenständen, im ersten Jahre „log-icns", im zweiten „pIi^siLU»" genannt; bei den Neformirten „novllius" und „dimü»". Osficielle Lehrgegenstände waren: Z) die eigentlich philosophischen, ilnd zwar: Logik, Psychologie und mow- pl>^siea i>un>. für das erste, uiol.ai>I>^!c^ tti»i>lwu>^ und ^lulc>8<>i)1ü^ nior^li» für das zweite Jahr. 2) Die mathematische», als: Arithmetik, Geometrie im ersten, i>uU,llU8i!, u^U^üu, und Physik im zweiten Jahre. 3) Die historischen,
Zwar finden wir auch bei den Katholiken sogenannte Piaristencollegien zu Rosenbcrg (LiptanS), DotiS, GnnS, Vcßprini und TemeSv>lr, doch sind diese eigentliche Seminarien und bloß für geistliche Zöglinge eingerichtet.