32»
Geschichten aus Siebenbürgen.
Eine Familie zu Nagy Enyed. 0.
In den folgende» Tagen bewiesen zahlreiche Trnppendurchzüge von Thorda her, daß die Ungarn wirklich Klausenburg eingenommen hatten. General Wardener bezog mit der Hauptmacht seines Corps Quartiere in Enyed, so das; jetzt eine bedeutende Truppenmasse iu der Stadt sich gesammelt hatte. Die Einwohnerschaft betrachtete sie frohlockend als „die Vorboten der Ungarn, und wenn auch keine öffeutlichen Manifestationen lallt wurden, so konnte daS Militär doch leicht die ungünstige Stimmung der Einwohner wahrnehmen, was ans die Behandlung derselben von seiner Seite uicht ohne Einfluß war.
Unterdeß war der NeujahrStag herangekommen. Gegen Mittag verließ das gesammte Militär die Stadt und trat seinen Marsch in die Festung KarlSburg an. Bem hatte nämlich sein Corps getheilt, nnd eine Brigade unter Oberst Czeez bis Thorda vorgeschoben, woraus der östreichische General den Schluß zieheil mochte, der alte Feldherr werde selbst mit der Hauptmacht uachrückeu. Ich habe aber bereits erwähnt, daß Bem eine andere Direetion einschlug. — Diese Schutzlosigteit der Stadt führte ihr Verderben herbei. Hätten die Oestreicher eine Garnison in Cnyed gelassen, so würde der Ort wahrscheinlich heute noch stehen; bald darauf — leider zu spät — erhielten einige Compagnien Hon- vedS den. Befehl, die Stadt zu besetzeil. —
Die Einwohner sahen dem Abzüge der Kaiserlichen mit stillem Jnbel.zu. Kein Ruf der Freude ließ sich hören, es erhob sich keine Hand gegen einzelne Nachzügler. Wenig Menscheil waren ans den Straßen, während die Truppen mit eiuförmigem Schritte, gesenkten HanpteS den Ort verließen. Den sächsischen Nationalgarden sah das Volk ans den Fenstern mit spöttischem Wort und Mienen nach. Die Armen froren entsetzlich. Waren sie doch nicht gewohnt, bei einer Kalte von 10—12 Graden mit Sack uud Pack u»d Muskete meilenweit zn marschiren, sie hätten eö vorgezogen, in ungarischen Städten sich behaglich zn warmen, uud zahlreiche Frachtwagen mit wohlfeil gewonnenen Gütern nach Hanse zu senden. Prvtestu ten doch später einmal diese Vaterlandsvertheidiger, als man ihnen zninuthete, den Krieg wirklich mitzumachen, nämlich wie das reguläre Militär in die Schlacht zu geheu. Auch ließen sich die sächsischeil Natioualgarden — ich meine nicht die „Hmrahjäger" gewöhnlich vom östreichischen Militär dazn benutzen, dem Feinde Verachtung zu beweisen, indem sie ihm anSdanernd den Rücke» zukehrten. Jene „Hurrahjäger" zeigte» mehr Lust am Pulvcrgeruche, und wen» es auch uicht wahr ist, was einmal der alte Siebeilbürger Bote sagte, daß diese „heldcn- müthigen Sachseujungliuge" zur Elite der Puchner'schen Truppen gehörten, — Grenzvotcn II. -52