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Wir werden fortfahren, die gegenwärtige Lage Oestreichs, so wie sie in Wahrheit ist, darzustellen, die Männer, welche jetzt regieren, und ihre Handlungen zn beurtheilen nnd der trostlosen Gegenwart des Staats das praktische Ideal eines verjüngten nnd kräftigern Oestreichs vorzuhalten. Unsere Absicht ist, das durchsetzen zu helfen, was dem Kaiserstaat die einzige Möglichkeit einer gesicherten Zukunft gibt:
Das; eiu Ende gewacht werde mit der administrativen Herrschaft der com- mandirenden Generäle; daß das Ministerium Schwarzeubcrg ciucm andern Platz mache, welches den Staat «ach deu Grundsätzen des Programms von Nndriani vrganisirt.
Beide Forderungen wird unsere Partei durchsetzen, aber Schweres wird Oestreich uud wir alle bis dahin noch tragen müssen; zunächst wahrscheinlich ein Ministerium von reinen HochtoryS.
A u s Prag.
20. April 1 8 50.
Die Baume grünen wieder! noch vierzehn Tage, und ein Jahr ist um, seit man das ernste Prag, das seit dem Jahre 1620 ernst geblieben, dem Kriegsgesctze ungesetzlich unterwarf, und doch ist in unseren trostlosen Zuständen keine Aenderung eingetreten, es wäre denn, daß sie noch mißlicher, noch hoffnungsloser wurden, als sie das im Jahre 1840 gewesen, als die Baume wieder grünten.
Ach, unsere Hoffnungen grünen nicht! Einer Schädelstätte gestorbener Hoffnuugeu, erstickter Wünsche, zertretener Rechte gleicht unser schönes Vaterland, es siehet einer russisch grünen Zukunft entgegen. Die Willkür wird täglich kühner, uud wirthschaftet provisorisch iu einer Weise, welche allgemach auch die Gutgesinnten stutzig macht und zu der Ansicht bringt, es dürsten die ihnen so verhaßten Rcichstagsdcputirten am Ende dennoch Recht gehabt haben.
Was Maria Theresia, was Joseph der unsterbliche liberale Despot, dem Papismuö abgerungen, gibt das Ministerium heute preis, hebet das i>I»<!otum i-egium auf, macht nicht die katholische Kirche, wohl aber die Hierarcheu frei, überantwortet den niedern Clcrus ihrer Allmacht und Willkür, öffnet papistisch-pfäffischcm Umtrieb Thür und Thor, welcher sich demnächst der malkontcntcn Partei des Hochadcls verbünden und die Freihcitsclcmcutc Oestreichs ersticke» soll.
Die Presse der Hauptstädte wird geknebelt, die Hierarcheu aber macht man frei, und ist jesuitisch kühn genug, uns zu sagen, in einem Staate, wo heute alles frei geworden sei, müsse es die Kirche — ? ebenfalls frei sein, das liege in der Consequeuz.
Das kaiserliche Dekret, ohne Gegenzeichnung eines Ministers, lautet ganz definitiv, womit uus angedeutet werden soll, diese Frage gehöre gar nicht in daö eonstitutionelle Bereich, ihre Entscheidung sei ein Prärogativ der Krone. Diese entsetzliche Maßregel, welche Oestreich um ein Jahrhundert zurückwirft, ist — so meint man Grcnzbotcn.il. 1850. Z9