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Eine Anklage gegen das Christenthum.
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Eine Anklage gegen das Christenthum.

Als die Aufklärung die süße Gewohnheit des Daseins aus ihrem Schlafe rüttelte, war es namentlich die religiöse Tradition, die ihres Heiligenscheins entkleidet nnd gleich der politischen Autorität iu ihrem innern Wesen unter­sucht wurde. Beinahe zwei Jahrtausende hatte das Christenthum die Welt be­herrscht, es hatte das öffentliche und Privatleben, Wissenschaft und Kunst gleich­mäßig mit seinem Geiste durchdrungen, und der Königsthron wie das Theater, die Kammer des einsamen Denkers, wie der blutige Wahlplatz der Helden wurden von dem geheimnißvollen Lichte der überirdischen Wunderwelt träumerisch beschiene». Als nun das irdische Licht des menschlichen Gedankens aufging, war die Welt uoch iu einem halben Tranm, und die gewohnten Gegenstände sehen in der neuen Helle fremdartig uud wunderbar ans.

In Fraukreich begann der Kampf gegen das Allerhciligste der Religion. Der Katholicismus hatte den Gedanken ausgeschlossen, und es war natürlich, daß die­ser, sobald er einmal sich Geltung verschaffte, seine Energie gegen die Religion wandte. Iu protestantischen Ländern dagegen war der Gedanke in der Religion legitimirt nnd daher an sie gebunden; hier strebte die Aufklärung, das Christen­thum festzuhalten, und in ihm die reine Lehre der Vernunft zu finden. Der Na­tionalismus sonderte das sogenannte Wesentliche der Religion vom Aeußerlicheu und er fand, daß, wenn man die Vorstellungen fallen ließe, in denen sich der Heiland dem Bewußtsein seiner Zeit anbequemt, sehr einfache uud schöne Wahr­heiten übrig blieben: der Glaube an einen Gott der alle Menschen liebt, und je­des Haar auf ihrem Haupte zählt, der Alles, was ihnen begegnet in wohlwollen­der Absicht geschehen ließe und Alles znm Besten wendete, der Glanbe an die menschliche Freiheit nnd die daraus cntspriugende Pflicht, tugendhaft und gut zu sein und der Glaube an die Unsterblichkeit der Seele. In Kant'sReligion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft" wurden diese Vorstellungen des Ra­tionalismus, so weit es mit so etwas möglich ist, zn einem wissenschaftlichen Sy­stem erhoben.

Man vergesse nicht, daß wir Alle, trotz der Reactionsversnche unserer Tage, welche wieder zu der Mystik der jenseitigen Welt, des verborgenen Gottes und

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