Deutsche Reisende in der Fremde.
Die Zeit ist vorüber, wo die DentsclM das Ausland nur aus den Schilderungen Frcuider kennen lernte», mit Ausnahme von Paris, dieses Brennpunktes, der ganz Europa in seinen Kreis zog, wo die Deutschen, wenn sie ihre Existenz zn erwähnen genöthigt wäre», »in Entschuldigung baten; wo der jnnge deutsche Baron es für eine Ehre ausah, iu Paris von dem Pöbel mystistcirt und verhöhnt zn werden. Znerst reagirte das nationale Bewußtsein in der Literatur, die Herrschaft des französischen Geschmackes wurde abgeschüttelt, nnd als Hciligthnm der nationalen Empsindnng gepflegt, was demselben widersprach. Die Jahre lttlit nnd lttl4 bildeten die politische Reaction gegen das moderne Rom nnd dessen Eäsar, nnd seit der Zeit hat dann ein jedes Volk ans seine eigenthümliche Weise versucht, sich eine specielle Existenz, ein specielles Recht zu erkämpfen. Eben so wie man jetzt nicht mehr die fremde Literatur durch daS Medium des absoluten srauzösischc» Geschmackes sich aucigiut, wie man vielmehr mit einer gewissen Virtuosität iu die geheimsten Schlupfwinkel der Nationalitäten, selbst der Dialecte herabznsteige» versteht, so strebt mau auch m der unmittelbare» Keuntnißnahme des Fremdeu nicht mehr »ach den traditio- >ellen Eindrücken der alten Salonpoesie, man sucht die waldursprüngliche Na- t'rwüchsigkeit des Volkes, uud schätzt es um so mehr, je weniger cö sich in die Uiiform des Pariser Modejo»r»als hat kleiden lassen.
Es ist ein doppeltes Interesse, das gtgenwärtig den Reisenden leitet. Ent- wedc- sucht er poetische Nahrung, Waldeinsamkeit nud Ruinen, alte Tempel und Göttcbilder, oder er will lauschen ans die leisen Pulsschlägc, in denen sich das frisch mclleude Blut des freie» Geistes vernehmlich macht. Beides 'ist keineswegs ""'edingt von einander getrennt, nud die meisteu Reisenden ziehen mit einem Iannsl^fe in die Fremde, der ans der einen Seite nach den Zinnen des neuen "'^ ^' andern nach den Marmvrsärgen der Vergangenheit blickt.
Wlrwollcn eine Reihe gebildeter Landsleute ans ihren Pilgerfahrten begleiten.
1. Ä. v. A och au
In de> Werke, welches uns von diesem Schriftsteller vorliegt, sind die
*) „Reiscbcn in Südfrankrcich und Spanien " 2 Bände. Stuttgart und Tübingen, 1847. Cotta. ^
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