Mecklenburg und die Mecklenburger.
September 1 8 i 7.
Neue und alte Sitten. — Die große Wasche, — Adel und Bureaukratie. — DaS Landvolk. — Schullehrer. _ D!c Gutsherrn und ihre Insassen. — Graf Hahn. — Ständische Reformationen. — Die
Bürgermeister. — Parchim und seine Bewohner. — Hofsittcn. — Ludwigslust. — Censur, — Buchhandlungen. — Schriftsteller.
Nach laugjähriger Abwesenheit betrat ich einmal wieder den heimischen Boden und verspürte mit Vergnügen die Veränderungen, die der Fortschritt der Zeit diesem Laude aufgedrängt hat; denn an freie Selbstentwickelung ist leider bei uus noch nicht zu denkeu. Die Eisenbahnen sind es und die bessern Wege, über die sich der Reisende ftenen innß; denn wo er noch vor wenigen Jahren langsam im Sande geschaukelt wurde, führen ihn jetzt bequeme Postwagen und wvhlberechuete Verbindungen schnell von einem Orte zum andern. Der Reiz der Neuheit hat daher eine gewisse Reiselust erweckt, und der schwerfällige Mecklenburger, aus seiner gewöhnlichen Apathie erwacht, entschließt sich die Grenze seines Vaterlandes zu überschreiten und die freie Reichsstadt Hamburg iu Augenschein zu nehmen, wo ihn die Austcrnkeller mit allen möglichen Delicatessen anlachen, für deren Reize er durchaus uicht unempfänglich ist. Kehrt er zurück, so spricht er auch eine Weile von dem Gesehenen, bis er nach und nach in seine alte Weise zurückfällt, ißt, trinkt, schläft, Karten spielt, wenig an seine Toilette denkt, sich wenig um die Schicksale von Staaten und Völker kümmert, dafür aber sehr genau darauf hält, daß man ihm seinen Titel gebe, so wie er gerne bereit ist, sich vor jedem Hochgebvrnen drei Mal zu bücken. Das ist denn doch in heutiger Zeit ziemlich abgeschmackt uud der Werth der kleinen lächerlichen drei Buchstaben des „Von," das man sich hier so gerne als Aushängeschild anhängt, um dadurch andere fehlende Verdienste zu ersetzen, ist zu sehr im Preise gefallen, als daß man noch nach einem so billigen Schmucke geizen sollte. Es schmeckt hier überhaupt alles noch gar zu sehr nach der Zeit des Faustrechts uud des Naubritterthums. Man bemerkt überall ein gewisses rohes Element, das erst nach und nach durch den Verkehr mit civilisirten und gesitteten Völkern verdrängt werden wird uud muß. Die Mecklenburger rauchen ungebührlich stark. Selbst auf der Eisenbahn wurden außer Cigarren lange Pfeifen angesteckt, so daß es unmöglich war bei
Grenzl'vten. Hl, 1847, ?,