Beitrag 
Wanderungen durch Pesth. III.
Seite
503
Einzelbild herunterladen
 

Wanderungen durch Pesth

in.

Die Frauen. Wie man die ganze schöne Welt an cineni Tage sehen kann. DaS Kaiserbad und seine Abenteuer Kein Markt sür Jesuiten. Gin Redacteur, der sein Geschäft versteht.

Magyarische Zeitungen. Der Ast vom Wuudcrstammc. MerkanlilischcS Vehmgericht. _

Ehescnsalc. Die Quäler Israels. Anstrengungen des Adels zur Hebung der Hauptstadt. Kurze Vcmcrkuugcn,

Die Pesther Frauen gehören zn den liebenswürdigsten Geschöpfen von der Welt die man findet; sie sind naiv wie Kinder, unwissend wie Creoliuuen und unschul­dig trotz ihrer Süudeu. Sie wissen, daß sie schön sind: lausende bewundernde Blicke haben es Ihnen auf Spaziergängeu, in Gesellschaften und im Theater zu­gerufen; aber auch, weuu ihum ciu Mann gefallt, bedarf es keiner sonderlichen Hieroglypheukuude, um ihre Gefühle in Auge und Zügen zu entziffern. Jene seltsamen Romane, wo Hans und Grete ein Jahrzehent in Sehnsucht vergehen, ohne daß Einer den Brand im Herzen des Andern riecht, werden im raschen Un­garn nicht gespielt. Gewiß, ein Auge verschleiert in frommer Verschämtheit, hat seine Anmuth, aber ein offenes, in sichern Gefühlen erglänzendes Ange ist Sonnenlicht, das Blüthen weckt und süße Früchte reift. Geistreich sind sie wohl nicht die Töch­ter des erst erwachten Landes, aber ihre Einfälle haben die Frische der Ursprüng- iichkeit und sie können allerliebst plaudern, wie kluge Kiuder. Die Liebe verklärt ste nicht, aber sie gehen ganz in ihren Flammen auf. Liebe ist das Hauptgeschäft ihres Lebeus; das Mädchen sehnt sich nach einem Geliebten, die Jungfrau besitzt ihn, die Frau wechselt ihn. Dieses Leben der Liebe gewidmet, sällt ihr auch oft Zum Opfer. Die Douau hat schon manches brennende Herz in ihren kalten Tie­fen gelöscht; wenn die Gesellschaft mit ihren Rücksichten zwischen die Liebenden tntt, zerreißen sie oft das Band des Lebens uud fliehen in eine andere Welt. Es ^ uvch gar nicht lauge, daß ein Offizier von Adel, dem engherzige Verwandte nicht die Heirath einer Bürgerstochter gestatten wollten, sich uud seiner Geliebten die gequälten Herzen durch die Kugel zerrissen. Aber nicht immer hält der Mann gleichen Schritt mit der uueudlichcn Liebe dieser Fraucu. Man erzählte mir von Zwei Liebenden, die beschlossen hatten, zn sterben, da die Geliebte das Unglück hatte, bereits verheirathet zn sein, dem Liebenden aber die Ehegesetze gar nicht nniudeu wollten. Die Frau cutschloß sich gern zur Flucht mit dem Geliebten nnd