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Moderne Historiker : Leopold Ranke. II.
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Moderne Historiker.

Leopold Aanke. II.

Die Periode des Mittelalters, in welcher das Papstthum zuerst seinen Fuß auf die Nacken niedergebeugter Könige und Völker setzte, ist hänsig Gegenstand der Geschichte geweseu; auch die Poesie hat sich viel mit diesen: Kampf der Kirche mit den Kaisern zu thun gemacht. Die großartige Reaction, die in der Kirche im 16. Jahrhundert gegen den neuerwachten freien Geist ansprach, die vollständige Umge­staltung des bisher ganz verweltlichten Systems der Kirche, hat man weniger beachtet; wie mich dünkt, aus zwei Gründen. Einmal tritt der protestantische Aufschwung in jener Zeit zu sehr hervor, als daß man ihn nicht lieber zum Gegenstand seiner Forschungen macheu sollte, als die dunkeln Jrrgänge der Reaction. Dann wird diese Wiedergeburt der Kirche nicht durch große Persönlichkeiten getragen, wie ihr erstes Auftreten, sie ist eine allgemeine Richtung, die willenlos Verständige und Unverständige mit sich fortreißt. Vielleicht ist das gerade ein geheimer Reiz für Ranke gewesen. Einen Gregor VII., einen Jnnvcenz III., einen Alexander III. angemessen zu zeichnen, würdWdcm Diplomaten schwer fallen; feine, geistreiche, Pikante Züge sind bei ihnen weniger anzutreffen, als ein großer Sinn; aber den Uebergang von einem Leo X. zu einem PinsV., einem Sixtus V. zn malen, die leisen Schattirungen zu verfolgen, in denen der unmerklich aber wirksam um sich greifende künstliche Sinn sich auf diesen nicht gerade bedeutenden, aber feinen Physiognomien ausdrückte, das ist die rechte Frende des Diplomaten, der hinter höflicher, allgemeiner Anerkennung eine gelinde Ironie nicht verbergen kann, wenn es ihm einleuchtet, wie gerade die Einfältigen das Rüstzeug des Geistes werden können. Es ist alles natürlich zugegangen, es sind keine Wunder geschehen, so seltsam sich auch die Geschichte ansnimmt; das ist ungefähr die Ansicht dieses Werkes, wie man sieht, der Grundgedanke des Pragmatismus; nur mit dem dop­peltem Unterschiede, daß Ranke tieser in die Seele blickt als der gemeine Prag­matiker, eben weil seine Bildung unendlich höher steht, uud dauu, daß seine Reflexionen sich nur beiläufig machen; die Hauptsache ist die Zeichnung. Der eigentliche Pragmatiker nimmt das Factische nur als Beispielsammlung seiner Staatsweisheit.