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Tagebuch.
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i.

Die Herzogin von Praölin.

Paris, Anfang September.

Durch die Veröffentlichung der Actenstücke, Aussagen, Briefe und Tagebücher des PraSlin'schcn Drama'S ist es endlich erlaubt, die innern Fäden des Geschickes, das über diese unglückliche Familie gekommen ist, klarer zu erfassen.Ein grauenhaftes Geschick und ein furchtbares Unglück!" ist das stille Urtheil, das sich uns bei jedem Schritte weiter an diesen neucu Fäden, die endlich zu dem nächtlichen Mord führen, aufdrang.

Der Mörder hat sich selbst gerichtet, und mir sagen rnhig: von Rechtswegen! Wir würden ihn unbedingt vcrurthcilt haben, wenn uns der Beruf zugefallen wäre, sein Richter zu sein. Und dennoch drängte sich unS mit jeder Zeile weiter in den Briefen nnd Tagebüchern der nnglücklichcu Herzogin unabweisbar ein Gefühl des tief­sten Mitlcidcns für den Mörder auf. Wir sehen den dunkeln Geist, der diese un­glückliche Frau beherrschte, uud der zuletzt zum grvßeu Theile all' ihr schreckliches Ge­schick auf sie und die Ihrigen hcrabbcschwor.

Wir mochten hier nicht mißverstanden sein. Die arme, so tief unglückliche, so hart gestrafte Frau war eine edle Natur im vollen Sinne des Wortes. Sie liebte mit der höchsten Leidenschaft, sie betete zu Gott mit der höchsten Inbrunst, sie suchte Wohl zu thun mit der höchsten Zartheit. Und dennoch uud dennoch, es thut uns wehe, daß dies möglich ist war sie eine Gattin, eine Mutter, die bei den guten und schlechten Eigenschaften eines schwachen uud doch trotzigen, eines guten und doch heftigen, eines vom Geschicke, von seiner Familie, von seiner eignen Frau verwöhnten Mannes, das Unglück ihrer ganzen Familie veranlassen mußte. Das ist die Ueberzeu­gung, die sich uns bei der Durchlcsnug ihrer Herzenscrgießuug unabwendbar ausdrängte.

Die Herzogin v. Praslin war ein Fraucutyp unserer Zeit, sie war eineunver­standene" Seele, und zwar, weil es unmöglich war, sie zu verstehen. Sie hatte die innere Unruhe, die leider iu der Erziehung der meisten Frauen unserer Zeit liegt. Sie suchte ein Unmögliches auf Erden, ein Alltägliches in Romanen die vollkommene Auflösung des geliebten Mannes in ihrer Liebe. Sie suchte und fand es «icht; sie glaubte es gefunden und verscherzt zu haben, so oft sie den Geliebten halb­wegs verloren hatte; sie ahnte, daß sie sich selbst getäuscht, so oft sie ihn besaß.