Die Stimmung in Frankreich.
Paris, Ende August.
Mit dem lösten Willen ist es schwer, sich des Gedankens zu erwehren: „Was muß das für eine Gesellschaft sein, in der alle Tage solche Zeichen und Wnndcr geschehen?" Es ist keinem Zweifel unterworfen: das Alles sind Ausnahmen, und uicht die Regel; Betrug, falsches Spiel, falscher Eid — und endlich Meuchelmord sind nicht das tägliche Leben der Mehrzahl der Gesellschaft, aus der wir diese Verbrechen nun seit einer guten Weile fast alle Tage hervorbrechen sehen. Aber dennoch kann mau uachgcrade uicht mehr umhin, diese ganze Gesellschaft mit zur Verantwortung zn ziehen. Die Politische Gewissenlosigkeit ist die Ursache dieses Umsichgreifens der gesellschaftlichen Gewissenlosigkeit, uud wenn auch die unendliche Mehrzahl der Gesellschaft, die heute in gewisser Beziehung als von der ganzen civilisirteu Welt in Anklagestand versetzt, erscheint, freigesprochen werden muß gegenüber den Privatvcrbrechen, so fallt dennoch ein großer Theil der Schuld auf sie, und zwar einfach deswegen, weil sie die politische Gewissenlosigkeit ans jede Weise, durch ihr Thun uud Lassen, gefordert hat.
Die Duellisten, Beanvallon n. Comp., stehen vor Gericht, weil sie einen falschen Eid geschworen haben; nnd mau kann innig überzeugt sein, daß es weuige Leute in den Kreisen, denen die Angeklagten angehörten, gibt, die sie nicht augenblicklich verurtheilen würden. Aber sragcn Sie dann diese strengen Nichter: wie viel politische Eide sie geschworen und gebrochen haben? die ersten und allerersten Namen der höchsten und allerhöchsten Gesellschaft würden mitleidig die Schultern, ob einer so „naiven" Frage, zucken. Als ob es nicht ganz in der Natur der Sache läge, der Republik den Eid der Treue zu schwören, uud dauu sich mit dem ersten Konsul gegen sie zu verschwören? als ob es uicht etwas ganz einfaches und natürliches, dem Kaiser den Staub vou den Füßen zu lecken,— nnd ihn dann hinter dem Rücken zu verkaufen; als ob eS sich nicht ganz von selbst verstände, Charles mit der ergebensten Herzlichkeit zu huldigen, uud dann im Geheimen die Grnbe zu graben, in die er nothwendig hineinfallen mnß. Es gibt Lente, die so viele Eide schwn-
Grcuzbvtc». IN. 1üi7. 47