Politische Schlagwörter
Seit den Verhandlungen des preußischen Landtags sind einige bisher übliche politische Schlagworter aus ihrer Stellung gerückt worden. Namentlich hat der Gegensatz zwischen Nadiealismus und Liberalisinns viel von seiner Bedeutuug verloren, seitdem man ans den LandtagSverhandlnngen gesehen, wie weit gestreckt das Programm derjenigen Partei ist, die man bis dahin achselznckend als „Liberale" verspottet hat. Jener so stolz sich blähende Radicaliömns, wie ihn z. B. die beiden Bauer gegen Jaeoby anwandten, war eigentlich nichts als ein Resultat der Desperalion, eine Ironie gegen positive Anstrengungen in dem unbestimmten Bewußtsein Großes zn wollen. Die Landtagsverhandlungen haben bewiesen, daß Diejenigen, die für die Sache der Freiheit auf ordnungsmäßigem Wege kämpfen, darum nicht minder Großes erstreben, obschon sie nicht «i»itt«; K double spielen.
Nichts destoweniger wird die Wvrtspielerei zwischen Nadiealismus nnd Liberalismus noch von manchen Seiten (so z. B. in der Polemik gegen die Deutsche Zeitung) festgehalten, nnd es lohnt wohl die Mühe, die Vorwürfe jenes angeblichen Nadiealismus näher zu beleuchten.
In so fern diese Augriffe einzelne Personen oder einzelne Thatsachen zum Gegenstand haben, ist nichts dagegen zn sagen; es ist jedem Frennd der Freiheit unbenommen, in bestimmten Fällen seinem Glaubensgenossen und Mitkämpfer zuzurufen: hier hast du dich falsch benommen; die Sache der Freiheit würde dadurch auf keine Weise gewinnen, daß einer ihrer Anhänger den andern lobt, wenn er Tadel verdient, oder ihn schont. Nur dann muß ein solches Verfahren Aufmerksamkeit erregen, wenn jene Angriffe dem Prinzip gelten. Diese prinzipielle Seite des Streits hat sich namentlich, seitdem die Schule der Sozialisten in Deutschland Fnß gesaßt hat, einen neuen Zuwachs erhalten.
Die Nadicalen sagen: das Prinzip des Liberalismus, auf gesetzlichem Wege eine Erweiterung der Volksfreihciten herbeizuführen, ist einmal illusorisch, denn gerade diese Gesetzlichkeit, innerhalb deren er sich bewegt, soll