Das JuZiVönigthum.
Paris, Anfangs August.
.Korruption! Korruption, Korruption! Das ist unser tägliches Morgen-, Mittag- und Abendbrot. Glcmben Sie deswegen nicht, daß die Franzosen heute viel schlechter sind als sonst, oder das; sie sonst viel besser waren als hente. Wer hier in Frankreich längere Zeit lebt, hat sehr oft Gelegenheit, die schönen und die häßlichen, die guten und die schlechten Seiten, die man sonst au den Franzosen lobte oder tadelte, auch noch heute vorherrschen zu sehen. Sie siud auch heute noch meist ritterlichen Sinnes, frischen Muthes, guter Laune, leicht hingebend und eben so leicht wieder abfallend. Sie sind die Alten, nur etwas älter, die guten Eigenschaften ein wenig mehr abgestumpft, die schlechten ein wenig greller hervortretend. Die Hauptsache ist, daß äußere Einflüsse die schlechten Seiten gerade in ihrem äußeren Auftreten in den letzten fünfzig Jahren vollkommen Heranskehren helfen, uud daß gegenwärtig ein Augenblick eingetreten ist, in dem Jeder sich Mühe gibt, seinem Nachbar uud Gegner den Mantel abzuziehen, hinter den er sonst jene nackten Wunden verdeckte.
Die Korruption in allen öffentlichen Verhältnissen ist gewiß sehr groß und ziemlich allgemein. Man hat sich daran gewöhnt, die öffentlichen Verhältnisse auszubeuten. Die Revolution ist viel Schuld; aus ihrer Schuld wuchs eine größere nnter dem Kaiserthnm und diese fiel dann mit wuchernder Ueppigkeit als eine wieder zehnfach größere Strafe auf Frankreich zurück. In der Revolution beutete jede neue Partei ihre Galgen- oder Guillotinen- ftist so gut als sie konnte ans. Es gab ehrliche Leute geung, die nur cm den Staat dachten, aber es gab auch ehrliche Leute, die es für ganz legitim hielten, sich ans Kosten der gestürzten .Klassen zu bereichern; nnd noch mehr, die im Rausche der Zeit auch ihren eigenen Nansch befriedigen wollten. Mi- rabean verkaufte sich eben so gut an Danton. Jeder wollte leben, rasch, viel nnd herrlich — weil er bei gesundem Leibe das nahe Ende vorhersah.
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