Ungarische Zustände.
Aus Wien.
Die Nachrichten über das Befinden des Palatins lauten zwar für den Augenblick günstig, aber Privatbriefe aus seiner Umgebung in Ofen wollen leider nicht an eine dauernde Besserung glauben. Die gesunkenen Kräfte des hochbetagten Greises in Folge einer vorgenommenen Leistenbruch-Operation.lassen noch immer das Schlimmste erwarten, und eine scheinbare kurze Besserung gibt immer doch nur einen schwachen Hoffnungsschimmer. Die Verhandlungen zwischen dem Fürsten Metternich und dem ungarischen Kanzler, Grafen Appony, waren in der letzten Zeit sehr häufig; es handelte sich darum, für alle möglichen Fälle vorbereitet zu sein. Wenn es das Unglück wollte, daß der allgemein verehrte Greis jetzt stürbe — nebenbei gesagt, hat einer der Hofkapellmeister bereits ein Requiem für den Palatin geschrieben, und derselbe Kapellmeister ist mm jetzt selbst gefährlich erkrankt — so würde die Regierung wohl kaum, wie man hier allgemein glaubt, den ungarischen Landtag sogleich zusammenberufen, sie würde gewiß von ihrem constitutionellen Rechte einer sechsmonatlichen Frist Gebrauch machen, um so mehr, da im März k. I. ohnehin der Landtag einberufen wird. Sie würde in dieser Zwischenzeit nicht allein Gelegenheit haben, sondern auch Gelegenheit suchen müssen, sich sowohl von der Stimmung im Lande genau zu unterrichten, als auch die Männer, welche M dieser Würde vorgeschlagen werden, zu sondiren und sich ihrer zu versichern. Bei der Wahl eines Palatins hat die Regierung das Recht, vier Candidaten, darunter einen Prinzen des Hauses, vorzuschlagen. Von den andern drei Candidaten muß einer der lutherischen, einer der helvetischen Confession angehören. So weit die Stimmung in Ungarn bisher laut geworden, muß man glauben, daß das Land unter den kaiftrl. Prinzen nur den Erzherzog Stephan als Palatin anzunehmen Lust