Cine deutsch-französische Allianz»).
Unter den Redensarten, welche die hyperloyalen deutscheil Staatsphi- losophen oder vielmehr Staatssophisten mit besonderer Vorliebe im Munde führen, steht besonders die eine obenan: daß Frankreich der Erbfeind Deutschlands sei, ungefähr ebenso wie die Osmanen ehedem die Erbfeinde des christlichen Namens genannt wurden; daß Germanien Niemanden mehr zu fürchten habe, als die treulosen, arglistigen Gallier, und es daher die Pflicht jedes ächten Deutschen sei, diese von Grund des Herzens zu hassen. Ich erlaube mir entgegengesetzter Meinung zu sein, nämlich zu glauben, daß das gegenwärtige Deutschland nicht nur keinen Grund habe, das jetzige Frankreich zu fürchten und es darum zu hassen, sondern daß unter allen Allianzen, die Deutschland schließen könnte, in der dermaligen Weltlage keine so sehr seinem wahren Interesse entspricht, keine ihm so entschiedene Vortheile bieten dürfte, als eben die mit seinem gallischen Nachbar.; daß die gewichtigsten Gründe der
*) Dem im vorigen Jahre erschienenen ersten Bande meines Buchs! „Frankreichs Einfluß auf und Beziehungen zu Deutschland von 1517—1789" setzte ich den Ausspruch Quinet's: v« qn'U ? n, sur, v'vst c^v I» Iiaino est «lu pass6, 1'sllianve v'est l'-z,veilir als Motto vor und beabsichtigte in einer, jenem beizufügenden, Vorrede die damit ausgesprochene Ansicht zu begründen und zu rechtfertigen. Ein Zwischenfall verhinderte indessen deren Ausgabe mit diesem ersten Bande, weshalb sie für den zweiten zurückgelegt werden mußte. Da dessen Erscheinen jedoch sich noch einige Zeit verzögern und im gegenwärtigen Momente die Erörterung dieser Frage von besonderem Interesse sein dürfte, so glaube ich wohl daran zu thun, die beregte Vorrede jenem auf diesem Wege vorauszuschicken natürlich mit einigen durch die jüngsten Ereignisse veranlaßten Abänderungen und Ergänzungen. S. S.