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Tagebuch.
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534
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T a g e b u ch.

i.

Ueber Zrusweisttngen.

Bon einem Preußen.

Wenn ein Land, in dem Sprache und Staat sich decken, ein ge­schlossenes, abgerundetes Land im Interesse ungestörter Selbstentwickelung jeden fremden Einfluß zurückwies, wenn es an seinen Grenzen unüber- steigliche Zollschranken zum Schutze der heimischen Industrie errichtete, und zur Pflege des heimischen Geistes sich keine Eingriffe von außen gefallen ließ, wenn es streng und rein auf nationaler Bahn vorwärts schritt, so sagte man sich, dies Land hat zwischen den zwei Wegen einmal gewählt, es sieht einmal in der Abgeschlossenheit sein Heil, die Umstände verstatten ihm darin vollständige Aufrechterhaltung; seine Consequenz ist zu begreifen.

In einer solchen Lage aber befindet Preußen sich nicht. Preußen ist kein Land, in welchem Staat und Sprache sich decken, die »Sprache geht weit über die preußischen Grenzen hinaus. Preußen ist kein abge­rundetes, von einer Grenze umschlossenes Land; es besteht aus vielen Stücken und Enclaven in andern Ländern; es dehnt sich schmal und lang und nirgends natürlich begrenzt, zuweilen von fremdem Gebiete ganz durchbrochen vom östlichen Ende Deutschlands bis zum westlichen aus. Und aus beiden Gründen hat es sich nicht zurückgezogen, als die Trümmer des deutschen Reiches erkannten, daß sie nicht in einseitiger und feindseliger Abgeschlossenheit nebeneinander fortbestehen dürften, sondern sich wenigstens zu einem Bunde die Hand reichen müßten, einer äußeren Anerkennung ihres inneren und nothwendigen Ausammenhangs.

Ja noch mehr; innerhalb dieses Bundes war Preußen immer in der ersten Reihe, wo es galt, ihn in materiellen Fragen mehr und mehr zu bewahrheiten. Es steht an der Spitze des Zollvereins, kämpft für Hie Annäherung in der Handelsgesetzgebung, für die Ausgleichung des