Oin Vormittag bei Heinrich Heine.
„Heine ist gestorben!" schallte es jüngstens durch unsere ZeitungS- blätter. Es ist rührend, wie sie ihn successiv immer schwächer, immer kränklicher vorführten, vom Boulevard in'S Spital, von da in'S Bad, dann in's Irrenhaus, und endlich, nachdem sie ihn in Charenton an dramatischer Gerechtigkeit haben sterben lassen, sehen wir ihn am l'c>io w 5!I>i»i5<z unter einem schöngeschliffenen marmornen Grabbeschwerer liegen. — Und wenn es dann Abends unheimlich dunkel zwischen den grauen, steinernen Gruftwächtern wird, wenn ein geistererwcckendcr Hauch über den Blumenflor der vielen Unsterblichen dort hinweht, wenn in Mitternacht der zwölfte Schlag von ^i>ti<; >)->»><; herüber tönt und bei Hellem Mondschein die Erdeentfesselten aus ihren Särgen, wie im dritten Acte von Ii<il>,;r-i. I« «Imbl«.> in der Academie r-t>>illv, steigen, dann springt auch Heine aus seinem harten hölzernen Bette, und mit einem Lächeln auf den Lippen und einen Witz auf der Zunge, eilt er zu einem Hügel, rechts von Foy's herrlichem Monumente, an die graue Tafel klopft er dort und aus dem kleinsten Grabe steigt der größte freieste deutsche Geist, achtunddreißig Thränen perleil ihm an den Augen Wimpern, eine einzige Wunde klafft über dem blutenden offenen Herze»; er sieht den Besuchenden, und ohne Bedenken und ohne Erinnern reicht er ihm die Hand. Da steht Keiner über, Keiner unter dem Andern, zwei unsterbliche Deutsche vereinigen und versöhnen sich auf französischem Kirchhose und der Unnennbare freut sich darob. O die Deutschen! Sie lassen ihre Dichter so schön poetisch sterben. Die andern Nationen, nicht so tief gebildet, nicht so bieder, nicht so philosophisch — sie lassen ihre Dichter nur prosaisch gut leben! —
Uebrigens lebt auch Heine noch! So viel Talent er auch für Charenton von jeher gezeigt, so viele tolle Streiche er gemacht, so hoffnungslos krank er auch ist — verläßt ihn sein Geist doch nie,