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Ein Abend auf einem Ball.
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schaft hielt Sie für einen Gast, da Sie mit mir kamen und ich dort oft aus- und eingehe. Wir tranken zusammen, ich sah, wie der Wein Ihr Gehirn schon umnebelt hatte, Sie plauderten mehr, als man mit einem Fremden plaudern soll, deshalb sperrte ich Sie gar weise ein und wollte Sie wieder mit mir nehmen, wenn ich mich verabschiedete. Doch halt! es fällt mir eben ein, führten Sie nicht eine Brieftasche mit wichtigen Papieren bei sich?"

Allerdings, sie enthielt einige Papiere von Bedeutung, Briefe von einigen Mitgliedern unseres Bürgervereinö, die mich und jene leicht in Unannehmlichkeiten verwickeln könnten. Ich finde die Brieftasche nirgends und weiß doch genau, daß ich sie an jenem Abend bei mir getragen, meine einzige Hoffnung ist, daß ich sie zu Hause gelassen."

Auch die bleibt Ihnen nicht mehr," entgegnete mir der Doctor, Ihr Zimmer ist durchsucht und Alles versiegelt, jener Brieftasche hat man sich wahrscheinlich gleich nach Ihrer Verhaftung bemächtigt."

Großer Gott!" rief ich in Verzweiflung die Hände ringend,So ist es wirklich wahr, daß man darauf sinnt, mich in eine Criminalsache zu verwickeln, sprechen Sie, mein bester Doctor, Sie haben vielleicht mehr Erfahrung in solchen Angelegenheiten, was soll ich thun, um diesen mir höchst verderblichen Prozeß zu vermeiden?"

Der befragte Rechtsbeistand zuckte die Achseln.

Der Minister klagte Sie wegen absichtlichen Anfalls an, er nennt die Verweigerung Ihres Gesuches um Beförderung als Beweggrund des Verbrechens, der Schein ist gegen Sie. Man klagt Sie ferner ge­heimer Verbindungen gegen die Regierung an, man hat Documente wider Sie in den Händen, Ihre Sache steht wahrlich nicht gut, Herr Commilitone, deshalb habe ich Sie auch aufgesucht. Mit Mühe ge­lang eS mir, Ihre Wächter zu bestechen, denn sie haben die strengste Weisung, keine menschliche Seele zu Ihnen zu lassen. Es bleibt nur noch ein Weg, nur noch eine Hoffnung zur Rettung übrig."

Nennen Sie sie, mein bester Doctor, Sie sind ein Engel, den mir der Himmel zur Tröstung in den Kerker gesandt."

Sie müssen sich an den König wenden und bei ihm um Nieder­schlagung des Prozesses nachsuchen, er ist ein trefflicher Mann, er wird es Ihnen nicht verweigern, wenn er mit den Umständen genau bekannt wird. Ich habe mich mit Ihrem Gefängnißwärter verständigt, man wird Ihnen Schreibmaterialien bringen. Setzen Sie also eine Supplik aus und übergeben Sie sie an den Schließer, er ist unterrichtet, wie er sie weiter befördern soll."