Arnold Rüge.
Zweite Abtheilung und Schluß.
So drängt uns Rüge selbst zu der Frage nach dem Inhalte seines neuen, befreienden Princips. Das Böse, haben wir gesehen, ist alles Dagewesene, der ganze Inhalt dieser hinter uns liegenden zwei Jahrtausende, die deutsche Befreiung bestand nur in der Kritik, in der Verneinung und theoretischen Vernichtung dieses Inhalts und die französische Befreiung in einer ebenfalls vor der Hand theoretischen Vernichtung seiner socialen Gestaltungen — wie sieht dem: also nun das Gute aus, dem die Welt entgegengeht, der „humane Gehalt", der in der „freiesten Bildung unserer Zeit" ausgeprägt ist, oder sein sollte? Wenn wir das nur erführen! Aber halt! Man täusche sich über das „Positive", sagt Rüge. „Jede Kritik ist positiv, wenn sie nicht gewissenlos und leer, wenn sie also wirklich Kritik ist. Sie ponirt ein Princip... Die Kritik führt die Sache zu ihrer wahren Natur zurück." Also das neue Princip! Das Princip ist da, ist schon in der Welt. Gleich auch wirkliche Einrichtungen, die sich aus ihm ergeben können, zu verlangen, das sei voreilig, belehrt uns Rüge. Sehen wir denn wenigstens zu, wie er das neue Princip beschreibt; einen Inhalt, einen humanen Gehalt, versichert er uns ja, habe es.
Erstlich erfahren wir von ihm gelegentlich, wie der Fortschritt, um den es zu thun ist, beschaffen sein müsse: „der einzige Fortschritt," sagt er, „den die Welt machen kann, ist die Hingabe an die Vernunft". Ferner erfahren wir, daß „die Welt nie weiter als jetzt von der Freiheit und von der Geltung vernünftiger Principien entfernt gewesen ist." Das ist freilich sehr schlimm, man kann sich ja nun von der Wirkung, welche die Geltung dieser Principien haben