Deutsche Romane.
Stände und überall Stände. — Drei Romanclassen. — Autoren und Puvli- cum. — Die „Masse." — Ein Wort über Proletarier - Poesie. — Armin Galoor von Starklof. —
Es ist ein allgemeines Stichwort unserer Tage: die ständischen Unterschiede sind zusammengefalleil und es gelten nur die Menschen. Aber fragen wir, wo sind denn die ständischen Unterschiede zusammengefallen und wo gelten denn wirklich die Menschen, so sieht es um die Antwort sehr traurig aus. Im Staate ist man höchstens so weit gekommen, daß man ruhig zusieht, wie sich die niedrigeren Elemente der Gesellschaft gegenseitig zu berauben und aufzufressen suchen, aber man hält die ständische Theilung zwischen oben und unten entschieden fest und glaubt nur durch eine Theilung die Interessen regieren zu können z — und in unserer Literatur, in dieser anderen Seite unseres sogenannten öffentlichen Lebens? Hat etwa in ihr das Menschliche, das Allgemeine über das Ständische, über das Besondere gesiegt? Ist es nicht sehr bezeichnend, daß man in jüngster Zeit von gewisser Seite her verschiedene Versuche gemacht hat, die Schriftsteller in einem Stande, in einer Corporation zusammenzuschließen? Und sucht unsere deutsche Literatur wirklich eine allgemeine Bewegung, einen allgemeinen Mittelpunkt, hat sie nicht vielmehr in der Regel ganz specielle und ständische Interessen?
Wir reden hier speciell von unserer Romanliteratur. Denn allerdings heben sich die Lyrik sowohl wie das Drama über die Einzelkreise zur Allgemeinheit empor — ist aber unser Roman, die rechte prosaische Form für unsere Zustände, das rechte Spiegelbild unseres Lebens? In unseren Romanen, wenn man sie nur etwas genauer betrachtet, treten die ständischen Elemente noch ganz entschieden hervor; es wird unseren deutschen Romanen äußerst schwer, einen allgemein- menschlichen, oder auch nur einen allgemein-nationalen Mittelpunkt zu