Brief eines Reifenden ans und über Galizien*).
Werthester Freund! Sie verlangen „einfache Wahrheit" nichts als einfache Wahrheit, wie Sie sagen, über die Ereignisse und Scenen, denen ich als Zeuge beizuwohnen Gelegenheit hatte.
„Wahrheit!" — und wissen Sie denn, was Sie damit von mir verlangen? Wissen Sie denn nicht, daß gerade an die Wahrheit kein Mensch glaubt, eben weil er überhaupt nicht daran glauben will. Man hat im griechischen Freiheitskampfe, im spanischen Bürgerkriege, bei allen Gelegenheiten dieser Art, vas europäische Publicum mit dem glänzendsten Erfolg mystificirt, und mancher Zeitungsartikel, manche gefeierte Brochüre, manche K tempo verbreitete Nachricht, welche an der Stirne das Gepräge der Lüge trug, fand allgemeinen Glauben, weil sie den jeweiligen Sympathien der Parteien schmeichelte.
Das Publicum construirt in seiner Einbildung sich die Verhältnisse nach dem Geschmack, welchen es daran finden will. Jeder dachte sich Griechenland, Spanien, Polen, mit den Formen Deutschlands, Englands, Frankreichs. Und wenn man dann die wirklichen
Der nachfolgende Brief enthalt einige interessante bisher noch nicht bekannte Details. Der Leser kann aus manchen Stellen errathen, daß der Herr Verfasser ein höherer Ofsicier ist. Im Voraus müssen wir jedoch sagen, daß unsere Ansichten von den hier entwickelten in manchen Punkten wesentlich abweichen. Wir verweisen deshalb auf den Artikel Randglossen im heutigen „Tagebuch".
D. R.
Är-nMen, tS««, II. 13