Das wahre Virtnosenwefen.
Billiger Weift muß man unter den Virtuosen auf den verschiedenen Instrumenten einen Unterschied machen. Die meisten Virtuosen haben wir auf dem Pianoforte und der Violine; auf jenem, weil es das allgemeine Instrument der Gesellschaft ist^ auf dieser, weil es das vorzugsweise sogenannte Concert-Instrument ist. Die Virtuosen auf dem Violoncello, auf dem Hom, der Flöte, Oboe:c. sind schon seltener, oder wenigstens sind diese mehr solide, bescheidene Musiker, drängen sich nicht so gierig hervor oder sind auch nicht in der Mode und von dieser gleichsam geächtet, wie die Flötisten. Ich will hier nur von den Virtuosen auf dem Pianoforte reden. Alle Welt, Jedermann spielt Pianoforte, sie haben also die feste, bestimmte Aussicht, von aller Welt und Jedermann beachtet zu werden, und dies aus keinem andern Grunde, als weil Jedermann aus persönlichem Interesse hören und urtheilen will — denn wer auch nur die Noten und Griffe kennt, der hält sich für berufen und berechtigt, wenigstens für befähigt, wenn auch nur im Stillen, ein Kuusturtheil abzugeben — wie viel auf dem Pianoforte überhaupt wohl geleistet wird oder werden kann, und in welchem Verhältniß der Annäherung der Hörer sich als Selbstspieler zu diesem Virtuvsenmaßstab befindet. Das ist der wahre Grund, warum in der unlängst abgeschlossenen Periode, auf welche die sogenannte Concertmüdigkeit folgte, die Pianoforte-Concerte so zahlreich besucht wurden, wozu etwa noch kam, daß Jedermann das Wunder, von dem in den Zeitungen so viel Lärm und Geschrei gemacht wurde, welches im Portrait, oft zu Dutzenden, in allen
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