Gin toller Dichter.
Duschnik ist ein kleines, wcildumsäumtes Dorf im südlichen Böhmen, das fernab liegt von allem Weltverkehr. Dort verlebte ich träumend meine Knabenjahre; unbekannt mit dem Werth oder Unwert!) der Figuren und der kleinen Ereignisse, die die stille Dorfwelt in Bewegung setzten, und die wohl werth wären, daß man sie aufzeichnete. Dazu rechne ich auch folgende etwas phantastische und mir nie cnträthselte Erscheinung, die sich meiner Phantasie lebhaft eingeprägt und die ich mit gewissenhaftester Wahrhaftigkeit hier erzählen will.
In stillen Dörfern kommen überhaupt oft Erscheinungen vor und gehen unbeachtet und bald vergessen vorüber, die in großen Städten Aufsehen und Epoche machen würden. Da gibt es keine Polizei, die ihnen nachspürt, keine Zeitungsschreiber, die über das Phänomen in alle Welt berichten, keine Dichter, die es in ihren Schöpfungen verewigen. Wer kann mir sagen, wem der goldbeschlagene Wagen gehörte, der einst durch unser weltvergessenes Dorf, von fünf kleinen rabenschwarzen Pferden gezogen, wie ein flüchtiges Mährchen vorüberbrauste? Ein eisgrauer Mann, mit langen Locken, im weißen Mantel mit goldenem Gürtel, saß darin; bewaffnete Männer und eine reitende Frau, alle in der sonderbarsten Tracht, umgaben ihn; Gold und edle Steine waren über sie ausgegossen. In fünf Minuten waren Alle, als ob sie der Boden verschlungen hätte, in die Schlucht vor dem Dorfe verschwunden und die Bauern sagten: Es war der Berggeist des nahen Bergwerkes. Nach Jahren fiel uns ein, eS könne ein flüchtiger Polenheld gewesen sein; aber es war vor der Polenrevolution. Wer kann mir sagen, wer die beiden Männer waren, die einst schweigend, ernst und blaß, auf herrlichen Pferden durch das Dorf in
«rtnzbottn, tS««, II. 8