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Tagebuch.
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T a g e b u ch»

i.

Neue Reime »nd Gedichte.

Die alte Zeit ist gestorben und die neue wächst tüchtig nach; darum sind in manchen Phasen des Lebens die überkommenen Be­griffsbestimmungen unpassend geworden, dennoch hat man auch noch keine neuen gefunden. Ueberall muß der Ausatz „modern" aushelfm und weil sich das neue Leben eben aller Arten anders construirt, hat dies „modern" aller Arten und bei jedem Einzelnen eine verschiedene Bedeutung. So ergeht's uns mit dem Begriffe der „Gesellschaft," so wie dem der „Politik", so mit den Benennungen aller einzelnen Gattungen der ästhetischen Literatur, welcher die Leute der alten Schule mit dem Namen „Belletristik" gern einen Beiklang von Un- bedeutsamkeit geben möchten. Und alle diese Unbestimmtheiten sind nicht erst seit einigen wenigen Jahren, sondern seit mehr denn einem Jahr­zehnt. Vor Allem wollen aber in der versisizirten Poesie, in der ei­gentlichen Gedichtwelt, die alten Eintheilungen in keiner Weise mehr zulangen. Die früher streng nach Klassen und Gestalten getrennten Blüthen derselben haben sich aus einem Beet in's andere hinüberge­rankt und aus den Vermischungen sind neue, früher ganzlich unbe­kannte Gewächse aufgekeimt. Sie haben sich wieder in andere Ab­arten fortgepflanzt: das Leben ist weiter geschritten, die Theorie seiner Erscheinungen dagegen zurückgeblieben. Deshalb ist auch die Kritik <omit und durch die ganze neue Stellung der Literatur zum und im Leben in ein eigenthümliches Verhältniß um lesenden'Publikum ge­kommen. Sie mußte vom Katheder herabsteigen, von wo aus sie ehedem ein Schwören auf die Worte des Meisters verlangte und der literarische Beurtheiler steht jetzt «ur eben mitten unter dem Publi-

Grcnzl'vten, 184«, II, 4