Beitrag 
Die böhmischen Stände.
Seite
387
Einzelbild herunterladen
 

Die böhmischen Stände.

Die unter der Ausschrift:Ständisches aus Böhmen" im 3. Hefte der Grenzboten erschienene Mittheilung aus Prag giebt den Ständen Böhmens die trostreiche Versicherung:daß wir im Volke längst im Klaren sind über die Tendenzen des Junkerthumö, und ganz gut wissen, hoher und niederer Adel wünsche beliebig mit zu regieren, und wo möglich die kargen Reste der josephinischen gol­denen Zeit, die uns noch geblieben, auszutilgen aus Leben und Geschichte." Weiter unten finden wir die Behauptung:daß in so bewegungslustiger Zeit wie die gegenwärtige, die oppositionelleil Bestrebungen der Herren Stände in der intelligenten Mittelklasse so durchaus keine Sympathien finden, daß man es vorzieht, auto- nomisch von Wien regiert zu werden, daß man seine Freude daran hat, wenn den hohen Herrn VerHebung und Rüge von hoher Hof­kanzlei zugewendet wird, reicht vollkommen aus, die ständischen Tendenzen zu charakterisiren."

Ich glaube nicht, daß sich die Stände über ihre Popularität Illusionen machen; sie wissen wohl eben so gut als ich, und wie mancher andere unparteiische Beobachter, daß die Bureaukratie, die den Ständen nicht" hold sein kann, den Mittelklassen den größ­ten Theil ihrer Intelligenzen verschlingt, daß schon der Studienplan Oesterreichs es sich zur Hauptaufgabe gesetzt hat, den Jüngling vor allem Andern blindlings gehorchen zu lehren, um aus ihm ei­nen gehorsamen Diener, nicht nur Sr. Majestät, sondern auch der Behörden zu erziehen, die die Legislativ- mit der Erecutiv-Gewalt in sich vereinigen. Wer aber seinen Kopf von allen schädlichen Einflüssen mechanischer Actmfabrication, und sein Gemüth von Neid

51»