Polen und das Hans Czartorysk».
Im Hotel Lambert zu Paris ist jährlich Polenball, da geht es rauschend und glänzend her. Goldgestickte Uniformen französischer Officiere, Starosten in sarmatischer Nationaltracht, mit verwitterten Zügen, aber stolz blitzenden Augen, schwarze Fracks und juwelenstrahlende Damen bewegen sich bunt durch einander, lächelnd mit der Grazie, hüpfend mit der sanguinischen Lustigkeit altpolnischen Adels- und Hoflebens. Man sollte meinen, der Herr des Hauses sei nur auf Besuch in Paris, habe nur, der Abwechslung wegen, seine Residenz in Warschau verlassen. „Der König mnzt in Moskau!" sagt Platen. Aber noch hat Polen einen Gegenkönig in Paris, der zwar nicht selber tanzt, der arme, aber der sich huldvoll freut, wenn bei ihm getanzt wird. Seht ihr den alten Mann, vor dem sich Alles, wie vor einer gekrönten Majestät verneigt? Den Verbannten, der von seinen Schicksalsgenossen sich König tituliren läßt? Es ist der sechsundsiebenzigjährige Fürst Czartoryski; dieser Greis mit der leidenden Miene, mit der schwachen, wehmüthigen Stimme, der hohen, schwankenden und magern Gestalt, die ihm das Ansehen eines gebeugten Schilfes giebt, das ist der König von Polen, das ist der Fürst der Verbannung. Gibt es ein treffenderes Bild für die ritterliche Majestät eines untergegangenen Volkes, dessen Schatten nur noch im modernen Babylon umgeht und in den Nebeln der Themse? Man mag lächeln über das phantastische Spiel, über das Gepräge nichtssagender Huldi-
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