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Madrid im Jahre 1845.
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Madrid im Jahre

Physiognomien der spanischen Städte. Scvilla und Barcelona. Madrid. Der alte Adel und die Geldaristokratie. Ehocolade und Thee. Die konservativen Bettler. Das goldene Zeitalter der Mönche. Die Solda­ren ohne Sold. Barmherzigreit der Madrider Damen. Die Reformen der Toilette. Ein Blaustrumpf aus der Havanna. Theatcrzustände. Er muß aufs Land" und die Cameraderie. Die italienische Oper in Madrid und die Sticrgcsechte. Alte und neue Sitten. Moderne Wider­sprüche. Triumph und Bedeutung des schwarzen Fracks.

Ein berühmter englischer Reisender sagt, in Spanien machen zwei Mal zwei nicht vier; und in der That scheint dieses Para­doxon sehr glücklich die wilde Regellosigkeit des heutigen Spaniens zu bezeichnen. Da ist Nichts verläßlich, Nichts zu berechnen; Al­les unerwartet, unbewußt und überraschend. Die wüthendsten Parteigänger wissen kaum ihren nächsten Zweck zu nennen. Von allen Seiten Umsturz, Auflösung, Unsicherheit; der harmlose Krä­mer weiß nicht, wenn er eine Elle Tuch verkauft, ob er nicht mit einem Edict von gestern oder einer Ordonnanz von morgen in ei­nen gefährlichen Conflict gcräth. Der alte nationale Typus wird immer mehr verwischt und die verschiedenen Stände vermischen sich, nicht zu einem harmonischen Ganzen, sondern zu einem formlosen und farblosen Gemengsel nichtssagender Atome.

Indeß haben einige Stände im Innern des Landes noch et­was von dem unauslöschbaren altspanischcn Gepräge bewahrt. Cordova, mit seiner maurischen Kathedrale und seinen Tauben, die auf der Straße spazieren, erinnert immer noch an das fünfzehnte Jahrhundert; Toledo mit seinen schweigsamen Straßen und zahl­reichen Klöstern gemahnt an die Monarchie Philipps des Zweiten;

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