Lebe» und Treiben in Leipzig.
Man erinnert sich noch an eine der gelungensten Figuren in den „Geheimnissen von Paris" an den ehrlichen Steinschneider, der Jahr auS Jahr ein die edelsten Diamanten verarbeitete und dabei so arm als honett blieb, an jenen fleißigen Morel, der von dem immerwährenden Handhaben seines Werkzeugs einseitig wurde, und dessen rechter Arm zu einer musculösen Kraft sich ausbildete, während der ganze übrige Körper schwächlich blieb.
Die Stadt Leipzig ist dieser Romanfigur nicht unähnlich. — Welche kostbare Gedankenschätze werden Jahr aus Jahr ein in den Werkstätten des Leipziger Buchhandels verarbeitet, und mit welcher Ehrlichkeit flieht Leipzig die Versuchung, etwas davon für sich auf die Seite zu bringen! All' die tausend Fremden, welche jährlich durch die Stadt ziehen, mit welcher Pünktlichkeit werden sie wieder dahin ausgeliefert, wohin sie gehören, wie selten hört man, daß einer zurückgeblieben ! Auch Leipzig ist einseitig geworden durch sein Geschäft und während es den einen Arm zu einer wahren großstädtischen Musculatur ausgebildet hat, ist es in seiner übrigen Structur ganz die kleine Stadt geblieben von ehedem. Sprechen wir ein wenig von der Leipziger Gesellschaft, von jenem innern Verkehr, der den Pulsschlag eines großstädtischen Lebens bildet. Die Leipziger Gesellschaft besteht aus zwei Factoren: aus der Gelchrtcnwelt und aus der Kaufmannschaft; zwei Elemente, die, wie viel Mühe man sich auch gibt, sie zu mischen, stets wie Oel und Wasser neben e inander schwimmen. Wo die beiden in einer Gesellschaft zusammenkommen, werden sie entweder in besondere Gruppen sich theilen oder unter