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An's todte Thier gelehnt, auf nackter Erde,
Liegt Abdul, sinnend, ob sein schöpferisch Werde
Aus nahen Todcsarmcn zaubervoll
Für's schöne Dasein ihn erretten soll.
Schon fühlt er aus den brennend heißen Wunden
Hinströmen seines Lebens rothen Quell,
Nur eines Wortes braucht's, er könnte schnell
Am unerprobten Wunderschild gesunden.
Vor seinem Geist erscheint entschwund'ner Zeit Verlebter Schmerz, durchträumte Seligkeit; Sein unbewußtes Glück der Jugendjahre, Sein erstes Weh an der Geliebten Bahre, Die abgrundtiefe Sehnsucht nach dem Glück, Die ungestillt verschlang der Erde Wonnen, Und wie ihm blieb, als dieser Glanz zerronnen, Die Sehnsucht nach Unendlichem zurück.
Er spricht: „Erfüllt war meiner Sehnsucht Streben, Das Glück ist — Gott und Gott: unendlich Leben! Natur sein Körper, und ich selbst sein Geist, Der nie vom Schöpfungsleibe los sich reißt. Der Welt in Qual und Schmerzen abgerungen Trag' ich den ew'gen Gott bewußt in mir, Und mag er scheiden aus dem Stoffe hier. Er bleibt doch ewig mit Natur verschlungen.
„Verzaubert schlummert Gott in jedem Ich!
Ihn zu erlösen, daß er siegreich sich
Aus Erdemacht erhebt, war meine Sendung,
Im Sterben wird sie irdische Vollendung!"
Er sprach's, vom Todesengel schon begrüßt.
Noch schien ein Wort von höchstem Glück zu schweben
In seinem Hauch, das, eh's noch drang in's Leben,
Der Tod von seinen Lippen weggeküßt!
Gmizboten. II.