Nach hundert Jahren!
Wenn wir bei jeder zweideutigen Handlung, die wir zu begehen im Begriff stehen, bedächten, welcher Schatten dadurch auf das Bild der Erinnerung geworfen würde, das wir unseren Nachkommen zu überliefern gedenken, so könnte aus solchem Bedenken manches Hemm- niß unserer Thorheit hervorgehen. Besonders möchte unseren fungi- renden Staatsmännern zu rathen sein, sich zuweilen in müßigen Stunden die Frage vorzulegen, was einst die Geschichte zu ihrem jetzigen Treiben sagen werde: denn ich bin überzeugt, wir würden uns dann über manche zeitwidrige Maßregel weniger zu beklagen haben.
Aus jeden Fall ist es ein unschuldiges Spiel der Phantasie, sich auf diese Art mit der Zukunft zu beschäftigen, und ich nehme mir die Erlaubniß, dieses Spiel, in Ermangelung eines besseren, ein wenig zu treiben, indem ich die hoffentlich nicht ganz unnütze Frage zu beantworten suche, wie sich wohl die Gestalten und Angelegenheiten der Gegenwart im Spiegel der Zukunft ausnehmen und was unsere Enkel und Urenkel dazu sagen werden.
Versetzen wir uns demgemäß um einen Zeitraum von hundert Jahren vorwärts in die Zukunft. — Also nach einem Jahrhundert, wenn, wie zu hoffen uns freisteht, in Deutschland die Stützen gebrochen sein werden, welche man jetzt so sorgfältig dem morschen Gebäude des politischen und kirchlichen Absolutismus unterschiebt, wenn keine Kerker für die verhaßte Freisinnigkeit, keine Stifte, Klöster und Klosterschulen zur Pflege der Dummheit, am wenigsten aber zudringliche jesuitische Spitzköpfe mehr sein werden, wenn der Papst mit seiner dreifachen Krone und die daran geknüpfte geistliche
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