Der K u n st t e n f e l.
Modernes Märchen. (Von der Verfasserin der „Clemcntine", „Jenny" u. s. w.)
Erste Abtheilung.
Unser Jahrhundert ist, Dank der allgemeinen Aufklärung, so klug geworden, daß selbst der Leichtgläubigste nicht mehr erbebt, wenn man ihm von den Dingen erzählt, bei deren bloßer Nennung unsere Altvordern sich fromm bekreuzten. Mit den Gewölben der alten Kirchen, in denen die Leichen bewahrt wurden, ist der Gespensterglaube zerstört; und mit Moser's Entdeckung, daß auch die tiefste Finsterniß Licht enthalte, haben die alten Schrecken der Nacht für den Gebildeten aufgehört. Es ist ja eigentlich nicht finster um ihn her, er kann nur nicht sehen, daß es hell ist; und der Glaube an den unsichtbaren Tag, der ihn umgibt, muß ihn beruhigen, wenn er nicht zugestehen will, daß er des neunzehnten Jahrhunderts ganz unwürdig sei. — All den Teufel, der wie ein brüllender Löwe herumgeht und suchet, wen er verschlinge, an den Teufel denkt man nur selten; und fast würde die sündige Menschheit ihn vergessen, wenn nicht fromme Kanzelredner ihn, als ihren stärksten Bundesgenossen, zuweilen aus der Unterwelt heraufcitirten. Daß dies aber geschieht, ist weise und nöthig; denn der Teufel wandelt wirklich noch auf Erden und streckt nach manchem armen Menschenkinde seine gierigen Krallen aus, die er jetzt pfiffig hinter wohlglacirten Handschuhen verbirgt.
Schon Heinrich Heine, der doch gewiß Gelegenheit hatte, ihn kennen zu lernen, versichert uns, daß er ihm „beim spanischen Gesandten" begegnet sei, und daß er „weder häßlich, noch lahm", sondern ein „ganz charmanter Mann in seinen besten Jahren" wäre. Natürlich! Der Teufel ist klug wie die Schlangen, und er wäre ja