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Ein Blick auf die Berliner Kunstausstellung : von einem Reisenden.
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Gin Blick auf die Berliner Knnstausstellnng.

(Von cincm Reisenden.)

Sollen die Journale der wahrhaste Ausdruck der Zeit sein, so muß ich Ihnen wirklich das traurige Compliment machen, daß Ihre Zeitschrist dieser Anforderung ganz und gar entspricht. Sie bringen einen langen philosophircnden Artikel über die Gewcrbeausstellung und kümmern sich den Teufel um unsere Kunst. Parbleu! Sind Sie wirklich so ganz und gar zeitgemäß? Ich will diese Blame von Ih­nen nehmen, indem ich Sie wenigstens auf die Glanzpunkte der dies­jährigen, an Rahmen so reichen und an Kunst so armen Kunstaus­stellung aufmerksam mache.

Gleich im ersten Saale ein großes herrliches Bild: Maria Stuart nimmt Abschied von ihren Lieben. Welche herrliche Gruppirung! Anna Kennedy, die treue Amme allein, wagt es, die halb verklärte Maria zu umfassen mit dem schmerzlichsten Ausdrucke einer Mutterseele, als könnte sie sie von dem fürchterlichen Gange zurückhalten. Ein Hoffräulein blickt zurück und erstarrt wie Niobe. Der Henker steht vor der Thüre." Welche Kraft und welch männ­licher Schmerz liegt in der Stellung des jungen Schotten rechts! Er ist so schön, wie ein Scott'scher Held aus den Hochlanden. Was aber eine verklärende Milde über das ganze Bild ausgießt, ist der kleine blonde Knabe, der rechts von Maria kniet und, wie zu einer Heiligen, zu ihr aufblickt. Man steht es ihm an, er gehört zu einer alten katholischen Familie Schottlands und ist gewöhnt, vor Madon­nen zu knieen. Oder soll in ihm die Nachwelt verstnnlicht sein, die Maria Stuart immer nur im Kerker und auf dem SchmerzenSwege steht und gerne ihre Sünden vergißt? Ich kenne Volkhart nicht, aber nach diesem ersten Bilde stelle ich ihn dein großen Vcnetraner