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Der Schachtelmann : Novelle : erste Abtheilung.
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Der Sehachtelmann

Novelle von Cornelius. «.^«.^

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Da war ich wieder in Birkenfeld, dem freundlichen Städtchen meiner Kindheit; und überall, wo ich zum Fenster hinaussah, er­kannte ich die in dem Gedächtnisse tiefgewurzelten alten Gegenstände wieder, wie ich sie geschaut als Knabe an der Hand des Vaters oder der Mutter, die nun beide längst schon schlummerten da drüben auf dem stillen Friedhofe. Weniges hatte sich im Ganzen verändert. Ich selbst mir war ein Anderer geworden, und die zehn Jahre, welche verflossen waren, seitdem ich hier Abschied genommen von den Wie­sen, den Wäldern uid Bergen, sie mochten an mir selbst am ersten bemerkbar sein. Doch waren meist nur wohlthuende Veränderungen mit mir vorgegangen, und ich durste mich deren eher erfreuen, als darüber betrüben. Statt des KindcS, das in toller Jugendlust sich gern dem lästigen Schulzwange entzog, war ich nun ein Mann, der, durch manche Erfahrungen abgekühlt, Vieles in einem anderen Lichte erblickte; auch bei der Nückerinncrung an die Jahre meines Studcn- tenlebens wußte ich mir wenig vorzuwerfen, und selbst einige Unbe­sonnenheiten, obgleich sie mir jetzt als solche erschienen, brauchte ich Gottlob uicht zu beklagen. Da drüben auf dem Tische, wo ich meinen Koffer auskramte und nebenbei von den eben ausgesprochenen Empfindungen bewegt wurde, schimmerte mir im hellen Lichte der Maisonne das errungene Doctordiplom entgegen, und schon diese Frucht meines Fleißes stimmte mich heiter. Der Sonnenstrahl, wel­cher so eben darauf fiel, schien mir ein günstiges Zeichen. Ruhm und Ehre und Geld, dachte ich, wird es Dir bringen, die Kranken werden sich von allen Seiten zu Dir drängen, werden Deine Schwelle

Grcnzbvttn 1844. II. 7