Beitrag 
Neueste Dramatiker und Dramaturgen.
Seite
2
Einzelbild herunterladen
 

einzelnen Individuen nach seinem Umfange und wahreil Grunde er­kannt, doch durch keinen Spott vernichtet, durch kein vornehmes Jg- noriren weggeläugnet werden kann, vielmehr immer wieder tiefer und energischer zu Tage bricht. Und nicht Jene allein leiden, die auf of­fenem Schauplatz in Staub und Glut der Parteien ringen, mehr noch Solche, die, zum Schweigen und Zuschauen verdammt, in inner­licher Qual sich verzehren. Ist aber diese Theilnahme so allge­mein und allverbreitet, wo hätte sie eher einen Ausdruck gewinnen können, als in der Poesie! Ist diese nichr die Memnonssäule, die vom ersten Sonnenstrahl berührt, sie nicht die Aeolsharse, die vom leisesten Hauch erschüttert, in wunderbaren Klängen ertönt? Auch wir haben sie vernommen, auch unö hat sie nicht geschwiegen. Und zuerst sprach sie sich in der Form der Lyrik aus, ganz gemäß jener mehr im Innern der Gemüther verhaltenen, dort unruhig arbeitenden, in Gefühl und Empfindung gährenden Theilnahme. Doch bereitete schon seit geraumer Zeit sich eine neue Wendung, die auf das Dra­matische, vor. Auch das Drama sollte gewonnen, mit dem edlen Geiste der Zeit erfüllt werden. Welche Aussicht! Das gesprochene Wort lebendig von der Bühne herab, die Idee in bestimmten, an­schaulichen Gestalten verkörpert, vielleicht an historischen Thatsachen erwiesen! Ob von jedem Einzelnen der Mitstrebenden gewußt oder nicht, dieser Gedanke lag der neuen Wendung zu Grunde. DaS Drama hatte seit Goethe und Schiller fortvegetirt, und zwar in dop­pelter Gestalt, als Bühnendrama und als Buchdrama. In dieses hatte sich geflüchtet, was von der dramatischen Poesie noch übrig war, jenes war Nichts als Spekulation auf augenblicklichen Beifall und pecuniären Gewinn. Ein Monströses also hier wie dort, hier ein Drama ohne Poesie, dort eine dramatische Poesie ohne Bühne. Ein Paar Erscheinungen, die noch in gewisser Weise Poesie und Bühne vermittelten, sind als spärliche Ausnahmen kaum zu rechnen. Die Aufgabe, ein neues Volk- und zeitgemäßes Drama zu gestalten, war nicht gering. Was Wunder, daß die ersten Versuche mißlangen und kaum hier und da einige Aufmerksamkeit erregten! Die früheste Wit­terung hatten noch die Hallischen Jahrbücher, und die Taktik, der sie in dieser Beziehung folgten, ist im Allgemeinen-- gewiß als richtig an­zuerkennen. Während die übrige Kritik in jenen Bestrebungen Nichts als Albernheiten sah, munterten die Hallischen Jahrbücher auf, ocu-