Der Wale.
Von
Gustav Mose».
Zw - itc Abtheilung.
Georg zog eine unnennbare Sehnsucht nun immer nach dem Hause seiner Geliebten, und wenn er nur die Mauern gesehen und in stiller Nacht ein Lied hinauf zu ihren Fenstern gesungen hatte, wo sie wohnte, so war er schon viel ruhiger. Denn die Liebe ist ein gar närrisches Ding, und wenn Ihr einmal groß werdet, Ihr guten Kinder, so werdet Ihr wohl auch erfahren, waö Lieben heißt. Ich sehe eö aus Eueren schwarzen Augen heraus, daß Euch dieses Gefühl nicht fremd bleiben wird.
— Ei, sagte meine Schwester, ich weiß schon, wie eö ist, wenn mau Einem recht gut ist, und Oberförsters Hugo weiß es auch, denn in der Schule rechnet er mir allemal mein Erempel, daß ich kein AuSgezankteS bekomme, und zum Adorfer Jahrmarkt hat er mir ein großes Pfeffcrkuchenherz mitgebracht!
— I, daö gehört ja gar nicht her! sagte ich unwillig, die Alte aber sprach lächelnd: Da sieht man, was ein Häkchen werden will, krümmt sich bei Zeiten: aber Einem gut sein, und Einen recht wahrhaft lieben, das ist so ein Unterschied, wie dieser kleine Bach und das große Weltmeer, wo Georg seine Laura sah — denn das will ich Euch nur gleich sagen, daß sie so hieß. Die kleine Elster aber geht auch in's Meer und — aber das versteht Ihr noch nicht!
In der Nacht, wenn die meisten Menschen schon schliefen, bestieg Georg seinen Kahn und ruderte zum Hause seiner Geliebten. Einstmals, als er nach seiner Gewohnheit dort ein Lied zur Laute gesun-