Beitrag 
Scenen aus "Robespierre, ein Drama."
Seite
435
Einzelbild herunterladen
 

Scenen aSNobespierre, ein Drama."

Dritter Aufzug, vierte Scene. (Robespierre's Zimmer.)

Rob es Pierre (leise). Rousseau! Rousseau! Noch sehe ich Dich unter Deinen Blumen wandeln, in stillen Träumen einer schö­nen Zukunft schwärmend für die Menschheit. Diese Zukunft ist da; doch sie kam mit den schweren Wettern des blutigen Krieges, und nicht, wie Du es geträumt, auf Friedenssittigen. O der Schritt aus dem Gedanken in das Leben ist ein vermessener Sprung; doch Heil dem Volke, das ihn gewagt! Es mußte geschehen! Und mich, mich klagt man an blutiger Gewaltsamkeit? Gegen mich waffnen sich die Dolche der Schwärmer! Und ich stehe doch nur mitten darin in dem furchtbaren Kampfe, den ich nicht hervorgerufen, den ich nicht leite. Haben denn die stolzen Erben der Vergangenheit, die privilegirten Pächter jedes Vorzugs, der jungen Republik ihre Rechte und ihren Ruhm, als ein freiwilliges Hochzeitsgeschenk, auf den Brautaltar gelegt? Jeden Fuß breit Landes mußten wir für die Freiheit abkau­fen mit unserem Blute, gegen die Tyrannen ganz Europas müssen wir streiten, und da sollen wir markten und feilschen um jeden Tro­pfen, jetzt, wo der Genius der Menschheit zu Gerichte sitzt über gan­zen Völkern? Auf dem Markt der Weltgeschichte sinkt das Leben, das armliche Leben im Preise, und nur alte Hvkerweiber jammern dar­über! Ich bin Nichts! Nur an meinem heiligen Glauben richtet das Volk sich empor. Es liebt mich; es vertraut auf mich. Was hat der Advocat von Arras in dem Pantheon der Nachwelt zu suchen,

Grcnzbotcn I8i«. ll. 55

Von

R. Gottschall.